Auf einen Kaffee mit … Sarah Hayashi

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Seit Januar 2020 ist die gebürtige New Yorkerin Sarah Hayashi am Theater Erfurt zu Gast. Nach dem Lockdown Anfang des Jahres ist sie glücklich, endlich wieder singen und proben zu dürfen – aktuell für die Rolle der „Morgana“ in Alcinas Insel und als „Adele“ in Die Rache der Fledermaus.

Sarah Hayashi
Sarah Hayashi

Wie kam es, dass du Opernsängerin geworden bist?
Als ich drei Jahre alt war, zeigte mir meine Großmutter eine Videoaufnahme von Joan Sutherland „Who’s Afraid of Opera?“. Von diesem Moment an war ich komplett besessen von der Oper und wollte unbedingt Opernsängerin werden. Mit sieben Jahren brachte mich meine Mama in einen Kinderchor nach Baltimore (Maryland). Dort hatte ich meine ersten Auftritte für die Lebkuchenkinder in Hänsel und Gretel und für Carmen. Mit 18 Jahren spielte ich meine erste Rolle „Belinda“ in Dido und Aeneas.

„Besessen“ klingt so, als hattest du nie einen anderen Berufswunsch?
Richtig. Ich wollte immer Opernsängerin werden. Meine Eltern sind Wissenschaftler und haben ein Biotechnologieunternehmen, in dem ich gelegentlich mitarbeite und sie unterstütze. Das finde ich auch sehr interessant und es ist vielleicht eine Option für später, aber die nächsten Jahre möchte ich jedoch nur singen.

Was sind deine Interessen außerhalb des Theaters?
Ich mag es, spazieren zu gehen und schreibe sehr gerne. Meistens sind es Briefe an meine 100-jährige Großmutter in Japan und manchmal auch Kurzgeschichten. Gelegentlich spiele ich auch mit meinem Mann Videospiele, er ist ein begeisterter Gamer.

Hörst du auch gerne Musik oder spielst ein Instrument?
Ich liebe es, Musik beim Autofahren zu hören. Da läuft dann von Opernmusik über Klassik und Oldies bis hin zu Metallica eigentlich alles. Ich habe viele Jahre Klavier gespielt. Ich habe hier in Deutschland leider kein Klavier, sonst würde ich wieder spielen aber es wäre wohl ziemlich schrecklich.

Sarah Hayashi
Sarah Hayashi als „Barbarina“ in LE NOZZE DI FIGARO 2020

Hast du eine Traumrolle für die Zukunft?
Ich habe drei Traumrollen: „Poppea“ in Monteverdis L’incoronazione di Poppea, „Zerbinetta“ in R. Strauss’s Ariadne auf Naxos und „Lucia“ in Lucia di Lammermoor. Die zwei letzteren Rollen sind sehr anspruchsvoll und für mich persönlich noch zu früh. Bis dahin muss ich noch viel Üben und weitere Erfahrungen sammeln. Die Stimme braucht Zeit.

Vermisst du etwas aus deiner Heimat Baltimore?
In diesem Jahr vermisse ich durch den Lockdown meine Familie. Als ich im Januar zum Vorsingen nach Erfurt kam, war ich nicht vorbereitet, sie über ein Jahr nicht zu sehen. Ich vermisse es auch, die Chesapeake Bay entlang zu fahren und gekochte Maryland Blue Krabben mit Old Bay Gewürz zu essen und Bier zu trinken.

Was stellt für dich die größte Herausforderung dar: Die Schauspielerei oder das Singen?
Ich liebe beides! Jedoch kann ich besser schauspielern, während ich singe. Dabei fühle ich mich einfach wohler. Ich hatte auch einige Opern mit Dialog, aber erst die Musik gibt mir den Charakter und lässt mich in die Rolle eintauchen. Das gehört für mich irgendwie zusammen. Ohne die Bewegung und die Aktion fühlt es sich an wie vorsingen, das macht mich nervös.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?
Sobald mein Teilzeitspielvertrag hier ausläuft, werde ich erstmal zu meinem Mann nach Dresden zurückziehen. Dann möchte ich unbedingt nach Japan reisen, um meine Großmutter zu besuchen. Mein Mann und ich wollen in Europa bleiben und irgendwann eine Familie gründen. Und ich möchte einen Hund oder eine Katze haben… oder beides!

Das Interview führte Flora Kuhlmann, duale Studentin im Marketing am Theater Erfurt.

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Flora Kuhlmann