Auf einen Kaffee mit … Julia Stein

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Mezzosopranistin Julia Stein ist seit der Spielzeit 2017/2018 ein festes Ensemblemitglied an unserem Theater und spielte unter anderem die Rolle der Carmen bei den DomStufen-Festspielen 2018. Im Interview spricht sie über ihre Karriere und ihr Leben als Opernsängerin.

Julia Stein
Julia Stein

Wie hat deine Karriere als Opernsängerin begonnen?
Schon sehr früh zeigte sich, dass ich auffällig gut singen kann. So bin ich zuerst in den Kinderchor gekommen, wo ich auch sofort die Soli bekam. Von dort ging es zur Musikschule und ziemlich schnell zur Musikhochschule weiter. Dann war ich Jungstudierende in Essen an der Folkwang Hochschule. Ich habe als ganz hoher Sopran angefangen.

Und wieso Operngesang?
Ich habe mich nicht bewusst dazu entschieden, Opernsängerin zu werden. Ich wollte einfach unbedingt singen und meine Stimme benutzen. Der Operngesang stellt die höchsten Anforderungen an die Stimme und ich wollte herausfinden, wie weit ich es treiben kann. Ich wollte meine Stimme in der kompletten Bandbreite nutzen. Ich liebe aber auch Soul und höre gerne Beyoncé oder Lady Gaga.

Wenn du nicht Sängerin geworden wärst, was hättest du dann gemacht?
Ich bin Psychologin und habe darin mein Diplom gemacht. Das hat mir auch immer Freude bereitet. Ursprünglich wollte ich Medizin studieren. Gesungen habe ich sowieso schon und wollte das natürlich auch weiterhin. Die Frage war, gehe ich zur Hochschule oder Uni. Doch mein damaliger Professor von der Hochschule in Köln sagte mir: „Mädchen, wenn du das machst, dann kannst du das Singen hier nicht fortsetzen“, weil das Medizinstudium sehr zeitintensiv ist. Psychologie hingegen war nicht so umfangreich. Rückblickend findet man immer Lösungen, wenn einem etwas wichtig ist. Und das Singen war mir damals schon so wichtig, dass ich das Medizinstudium auch parallel dazu geschafft hätte. So habe ich studiert und meine Musikkarriere fortgesetzt. Ich war mit Erasmus in Italien und habe da an der Fakultät für Psychologie offiziell studiert und inoffiziell mit meinen Lehrern in Italien am Gesang gearbeitet und italienisch gelernt. Im Grunde habe ich mein Studium dafür benutzt, in Italien mit Stipendium singen zu können.

Wie bist du ans Theater in Erfurt gekommen?
Das war ehrlich gesagt Zufall. Ich habe hier einen Vorsing-Termin bekommen über die Agentur.

Was gefällt dir – im Vergleich zu anderen Theatern – besonders gut?
Jedes Theater ist anders. Die Atmosphäre hier am Haus ist sehr gut. Ich habe bisher nur gute Rollen bekommen und ein tolles Repertoire. Ich muss nie Sachen singen, die für meine Stimme schlecht wären – nur Rollen, die passen. Nicht jede Theaterleitung hat so ein gutes Gespür und Ohr für die Theatersänger und auch für die Entwicklung, die wir Sänger machen.

Wie gestaltet sich dein Alttag beruflich und privat während des Lockdowns?
Das Geschenk des Lockdowns ist, dass ich viel Zeit mit meiner Tochter Anna-Sophia verbringen  kann, was ich sehr genieße. Insofern ist unser Tag gut strukturiert durch meine Kleine, die regelmäßig ihre Spaziergänge und ihr Mittagsschläfchen braucht. Proben finden derzeit nicht statt, aber wir üben trotzdem und bereiten uns auf die kommenden Stücke vor. Zum Üben komme ich ins Theater. Wir korrepetieren mit den Pianisten, arbeiten an der Technik und singen die Koloraturen rauf und runter.

Wie hälst du dich noch fit?
Ich mache viel Pilates und gehe joggen.

Was waren deine Lieblingsrollen?
Orpheus und Eurydike von Gluck, welche ich hier ganz am Anfang gesungen habe, die Carmen war gigantisch, auch die Rolle der Neris in Medea.

Julia Stein
Julia Stein

Was wünscht du dir für die Zukunft?
Ich würde mir wünschen, dass die Menschen langfristig wieder Nähe untereinander zulassen können, dass diese Isolation nicht noch ewig anhält. Auch, dass man wieder miteinander etwas erleben kann und wir zum normalen Spielbetrieb zurückkehren können. Persönlich für mich, dass ich meine Arbeit hier weiterhin gut mit meinem Familienleben kombinieren kann. Ich habe schon Glück, dass mein Mann am gleichen Haus arbeitet.

Das Interview führte Flora Kuhlmann, duale Studentin im Marketing am Theater Erfurt.

 

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