Zwischen roten Strümpfen und bestickten Hauben

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Sowohl bei der Bühne, als auch beim Kostümbild für Die verkaufte Braut stellte ich mich einer ganz neuen Herausforderung. Begebe ich mich beim Entwurfsprozess sonst immer auf den Weg der Reduktion und Abstraktion, wollte ich dieses Mal den Realismus aus der Inszenierung kitzeln. Es hat uns (Markus Weckesser (Regie) und mich) gepackt! Der Wille das abzubilden, was uns die Geschichte vorgibt. Und so verlagern wir das Stück eben nicht in die heutige Tristesse eines Wohnblocks, in der der Heiratsvermittler durch Tinder ersetzt wird, sondern feiern das Kirchweihfest in Böhmen und alle tragen Pilsener Tracht. Ebenso, wie es wohl war in Böhmen, um 1900.

In der Inszenierung von Markus Weckesser spielen auch wieder Kinder aus Erfurt als Statisten mit.

Auf der Bühne ist eine sehr realistische Nachbildung der Chotieschauer Tracht zu sehen. Diese Tracht wurde von der deutschsprachigen Bevölkerung im Umland von Pilsen getragen. Die festliche Frauentracht heißt “Weiwazwesen” und die männliche “Mannatswesn”. Ganz typisch für diese Tracht sind die roten Strümpfe der Damen und die Lederhosen der Herren aus ungefärbte, gelblichem Material. Die Figurinen basieren auf historischen Vorbildern und Abbildungen, variieren aber in ihrer Ausführung.

Es sind die wahren Charaktere der Dorfbevölkerung, die staubigen Ansichten und Rollenverhältnisse und die veraltete Gesellschaftsphilosophie, die bereit ist Töchter gegen den Erlass von Schulden einzutauschen und das Bier über alles zustellen. All dies brodelt unter der schönen, scheinbar friedlich vertrauten Oberfläche und wirkt durch diese sehr realistisch verkitschte Abbildung des Ortes und der Kostüme besonders stark.

Der Chor

Wer mag, kann diese Zustände sehen und bemerken, brutal und kaltherzig finden. Wer es nicht sehen will, kann sich von der schönen Musik treiben lassen und sich an den kunstvoll gearbeiteten Kostümen und der verträumten Landschaft erfreuen. Mir bleibt nur zu sagen,dass ich (mal wieder) begeistert bin von dem handwerklichen Geschick unserer Werkstätten, Sie haben es geschafft, eine so wunderbare Theaterrealität zu verwirklichen, die den Besuchern sicher lange in Erinnerung bleibt. Und so möchte ich bereits vor der Premiere meinen tiefen Respekt vor den Künstlern hinter der Bühne aussprechen und ein riesiges Dankeschön in die Runde werfen. Ihr seid ein tolles Team!

Fotos: Lutz Edelhoff (Szenenbilder), Alexandra Kehr (Werkstatt)

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Eingestellt von

Mila van Daag

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