Zwischen Mann und Frau – die Proben zu COSÌ FAN TUTTE

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So ein Opernregisseur hat viel zu tun. Konzept ausdenken, Proben vorbereiten, ein Team leiten, Sänger inspirieren – und ab und zu auch verdammt viel Spaß haben. Letzteres ist zwar nicht obligatorisch für diesen Job, aber Regisseur Benjamin Prins hat ihn. Er zelebriert ihn geradezu. In seiner Inszenierung, aber auch während der Proben. Gerade setzt er bei uns Mozarts Così fan tutte in Szene und sorgt dabei allseits für gute Stimmung. Denn er ist nicht nur ein charmanter und kluger Methodiker, sondern besitzt ein komödiantisches darstellerisches Talent, das während der Proben schon für einige Lachsalven gesorgt hat. Dabei geht es ihm aber nicht um platten Slapstick. “Wir machen hier Komödie, das heißt, dass wir alles ganz ernst nehmen müssen.” Prins macht aus Mozarts Figuren also keine Karikaturen – er zeichnet sie nicht unbedingt klassisch, aber sehr echt und mit viel Herz.

Fatale Rollenspiele

Wie es sich für dieses dramma giocoso, dieses lustige Drama, gehört, darf man sich natürlich auch auf eine Maskerade freuen. Aber die Fantasie von Benjamin Prins und seinem Ausstatter Hank Irwin Kittel übersteigen dabei die bekannten aufgeklebten Bärte und Turbane. So versuchen die beiden jungen Liebhaber Guglielmo und Ferrando ihre beiden Geliebten unter anderem sogar in Frauenkleidung zu verführen. Das klingt erstmal verrückt, zugegeben. Aber neben des augenscheinlichen komischen Potentials dieser Situation, stellen sich damit auch neue und ungewohnte Fragen: Wieviel Weiblichkeit steckt in einem Mann? Wieviel Männlichkeit steckt in einer Frau? Was bedeuten diese Kategorien überhaupt? Welche Eigenschaften finde ich an meinem Gegenüber begehrenswert? Sind es vielleicht ganz andere, als ich bisher gedacht hatte…?

Fiordiligi (Margrethe Fredheim) gefällt sich als Mann irgendwie ganz gut. Im Hintergrund wartet schon Ferrando (Won Whi Choi), der gleich auf sie zu hoppelt, "Così fan tutte" am Theater Erfurt, Foto: Viktoria Knuth
Fiordiligi (Margrethe Fredheim) gefällt sich als Mann irgendwie ganz gut. Im Hintergrund wartet schon Ferrando (Won Whi Choi), der gleich auf sie zu hoppelt, “Così fan tutte” am Theater Erfurt. Foto: Viktoria Knuth

Mozarts Così fan tutte ist eben nicht nur Komödie, sondern tatsächlich ein grausames Stück über Liebe, Begehren, Verrat, Schuld und Zerstörung. Damit ist diese Oper unserer realen Lebenswelt vielleicht näher als uns lieb ist.

Premiere ist am 19. November um 19.30 Uhr.

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