WOZZECK PROJEKT – VON TRIEBEN UND GETRIEBENEN

1 KommentarVeröffentlicht am Categories Hinter den Kulissen, Premierenstimmen

In der Schule wird der Woyzeck von Georg Büchner oft gelesen und viele Schüler quälen sich Zeile für Zeile durch den Text, der nicht nur bei Jugendlichen große Fragezeichen hinterlässt. Und dann kommt dazu auch noch Musik, die nicht gerade leicht ins Ohr geht. Wie soll man solch einen Stoff jungen Leuten vermitteln? Am besten so, dass sie danach auch noch von der Oper begeistert sind.

Die Antwort ist die Antwort selbst: Response heißen solche Projekte, bei denen Schüler versuchen, eigene künstlerische Antworten auf eine vielleicht schwierige Kunsterfahrung zu finden. Response ist das englische Wort für Antwort und steckt auch im Wort responsibility – Verantwortung. Eine Antwort auf etwas zu finden, setzt eine intensive Auseinandersetzung mit dem „Problem“ – in unserem Fall dem Wozzeck – voraus. Indem die Jugendlichen das Werk kennenlernen, die Hintergründe entdecken und sich in Wozzecks Lage versetzen, werden sie selbst zu Vermittlern und können eine eigene künstlerische Antwort geben. Zuerst in der Stadtbibliothek und dann im Theater haben die Jugendlichen sich auf die Suche nach dieser Antwort begeben.

Als Alban Berg 1914 in Wien die Aufführung von Georg Büchners Woyzeck sieht, beschließt er spontan, diesen Stoff als Oper zu verarbeiten. „Es ist nicht nur das Schicksal dieses von aller Welt ausgenützten und gequälten Menschen, was mir so nahe geht, sondern auch der unerhörte Stimmungsgehalt der einzelnen Szenen.“ – so spricht Berg über sein Vorhaben in einem Brief an seinen Kollegen Anton Webern. Die Jugendlichen setzten ganz ähnliche Schwerpunkte und es entstanden Werke aus Texten, Stimmungen, Musik oder Klängen. Dabei hätten die Workshopgruppen nicht unterschiedlicher sein können – eine Klasse neun der Freien Waldorfschule, ein Musikkurs der Jahrgangsstufe zwölf des evangelischen Ratsgymnasiums und Jugendliche von 12-14 Jahren aus dem Cool-Projekt Erfurt, einem Ort für Schulverweigerer entdeckten jeweils für sich die Welt rund um Wozzeck.

Ich trete in die kühle Nacht

Die Nacht, die mir das Leid gebracht.

Doch auch der kühle Wind kann nicht

Erhellen mein traurig Angesicht.

(Ausschnitt aus dem Gedicht „Verloren“ von Annalena)

Response heißt auch: Beobachten und dadurch den Wunsch verspüren, sich selbst zu einem Kunstwerk auf eigene Weise zu äußern. Mit der gleichen Grundhaltung sind auch Schüler bei dem Response-Projekt gefragt gewesen. Zusammen mit der Bibliothekspädagogin Christina Klauke aus der Stadt- und Regionalbibliothek und unserer Musiktheaterpädagogin Anastassia Tkachenko haben sich die Jugendlichen in den letzten Wochen mit Woyzeck und Wozzeck beschäftigt und gehen nun gut vorbereitet in die Premiere am 25.2.2017 im Theater Erfurt. Am selben Tag werden ab 18.30 Uhr die entstandenen Ergebnisse in einer Ausstellung im Foyer präsentiert.

Fotos: Lutz Edelhoff

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Ein Kommentar zu “WOZZECK PROJEKT – VON TRIEBEN UND GETRIEBENEN”

  1. Ein tolles Projekt….und so freu ich mich schon sehr auf die Ergebnisse. Die schaurige Musik, welche selbst eingespielt und zusammengestellt wurde, durfte ich schon hören.. herzlichst, Hilde

Eingestellt von

Friedrich Göring

Friedrich Göring

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