Wie kommt das Löwenbrüllen in den Orchestergraben?

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Blick in den Orchestergraben bei der Generalprobe zum "Zauberer von OZ"
…über das Abenteuer neue Musik

Wenn man neu geschriebene Musik aufführt fragen sich viele Musiker zuerst: Ist das spielbar? Muss ich komische Sachen auf meinem Instrument machen? Sind die Spielanweisungen gar so experimentell, dass die Aufführung ein Risiko für mein wertvolles Instrument darstellt?

Diese Befürchtungen kommen nicht von ungefähr. Es gibt eben einige Komponisten, die so experimentell schreiben, dass die Aufführung eher einer Choreographie als dem Spiel des Instrumentes gleicht. Außerdem kann es passieren, dass es total unrealistisch ist, die geschriebene Anzahl und Höhe von Tönen in der vorgegebenen Zeit zu spielen. Dann kommt ein Musiker sehr in Konflikt mit dem sonst üblichen Perfektionsanspruch, auch wenn es dem Komponisten nur um den Effekt geht.

Wie Sie sich vorstellen können, waren wir Musiker nun sehr gespannt, was uns musikalisch bei der neuen Oper „Der Zauberer von Oz“ erwartet.

Einige Wochen vor Probenbeginn bekam das Theater das Notenmaterial und die Stimmführer der einzelnen Streichergruppen haben dann die Aufgabe, es einzurichten. Das bedeutet, dass wir die Stimmen mit Bogenstrichen versehen müssen und damit vorgeben, wann die einzelnen Gruppen hoch- und wann herunter streichen.

Ich persönlich kann ich mir leicht ein Bild von der Musik machen, wenn ich das Werk kenne oder es Aufnahmen gibt. Dann bekomme ich schnell eine Idee, welche Striche zu welchem Tempo passen können. Doch beim „Zauberer von Oz“ gibt es ja noch keine Dokumentation, weshalb meine einzigen Anhaltspunkte die Metronom-Angaben des Komponisten zu den einzelnen Teilen waren. Ob am Ende bei unserer Interpretation des Stückes die gleichen Tempi gespielt wurden blieb die große Überraschung.

Zu Beginn der Proben stellten wir schnell fest, dass es sich bei diesem Werk nicht um ein experimentelles Stück neuer Musik handelt, sondern viele Melodien sehr eingängig gestaltet sind. So hört man des Öfteren einen Tango heraus, auch durch die Klangfarbe des Akkordeons unterstützt, welches beim „Zauberer von Oz“ einen seltenen Auftritt im Orchester bekommt.

Die schönsten Stellen für mich persönlich sind jedoch bildhaft vertonte Passagen:

Wenn etwas magisches auf der Bühne passiert, rutschen wir Streicher auch in magisch hohen Lagen über unser Instrument. Manchmal gibt es auf der Bühne auch einen lauten Knall, und die Streicher lassen beim Pizzicato die Saite auf dem Griffbrett schnarren.

Violinstimme "Zauberer von Oz", © Boosey & Hawkes
Violinstimme “Zauberer von Oz”, © Boosey & Hawkes

Dann bekommt jemand Angst vor dem Löwen und die Geigen trillern mehrere Takte, um diese angespannte Stimmung zu erzeugen.

Violinstimme "Zauberer von Oz", © Boosey & Hawkes
Violinstimme “Zauberer von Oz”, © Boosey & Hawkes

Mein persönlicher Höhepunkt ist das Löwenbrüllen, bei dem die Hörner ein Oberton-Glissando vollführen, welches durch Mark und Bein geht!

Hornstimme "Zauberer von Oz", © Boosey & Hawkes
Hornstimme “Zauberer von Oz”, © Boosey & Hawkes

Seien Sie also gespannt, mit welchen Klängen wir Sie durch die Oper „Der Zauberer von Oz“ begleiten!

Foto “Musiker im Orchestergraben”: Lutz Edelhoff

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Eingestellt von

Stephanie Appelhans

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