Von Petticoats bis Bikerjacken – eine Hommage an die 50er

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1961 kam der US-amerikanische Tanzfilm West Side Story von Robert Wise und Jerome Robbins in die Kinos. Der Film, in den 50er Jahren in schmalen Gassen New Yorks spielend, mit Backsteingebäuden und Feuerleitern an den Außenmauern, wurde ein weltweiter Erfolg und gewann 10 Oscars.

Kostümbildnerin Tanja Liebermann hat sich für die Neuproduktion an unserem Haus von dieser Verfilmung inspirieren lassen.

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Tanja Liebermann
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Figurine

 

 

 

 

 

 

Die Inszenierung ist eine Hommage an die Zeit der Petticoats, aber auch mit modernen und historischen Verweisen.

Ich habe die Möglichkeit etwas in dem Kostümfundus herumzuschnüffeln und darf sogar bei der Anprobe mit unserer Maria, der hier in Erfurt fest engagierten Opernsängerin Daniela Gerstenmeyer, ab und zu durch den Vorhang schauen.

 

Daniela Gerstenmeyer
Daniela Gerstenmeyer bei der Anprobe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es herrscht entspannte Stimmung. Die Kostüme sind zum größten Teil fertig und hängen bereits geschniegelt und gebügelt an einem der vier Kostümständer. Als ich kurz durch die Vielzahl an Kleidungsstücken schaue, bin ich etwas verwirrt. Wie passen Bomberjacken, Blazer und Tüllröcke zusammen? Erst als Obergewandmeisterin Susanne Ahrens mir etwas das Konzept erklärt, kann ich mir die mühsam, teils genähten, teils zusammen gesuchten und gekauften Kleidungsstücke richtig in Verbindung mit dem Stück auf der Bühne vorstellen. Denn „Kostüme und Bühnen gehören immer zusammen!“, erklärt mir Ahrens.

Obergewandmeisterin Susanne Ahrens
Obergewandmeisterin Susanne Ahrens

 

Anfangs sind alle Darsteller Jugendliche, die sich kleidungsmäßig kaum unterscheiden. In Bomberjacken und T-Shirts, ohne einheitliches Farbschema, aber doch irgendwie zusammengehörend. Nach und nach kristallisieren sich die zwei verschiedenen Banden, die Sharks und die Jets, beispielsweise durch Embleme heraus. „Daher brauchen einige Darsteller zwei T-Shirts“, so Ahrens. Diese sind jedoch noch in Arbeit und ich bin gespannt, wie sie dann auf der Bühne wirken, ob sie genau sichtbar und erkennbar sind… Aber nun weiter: In der romantischen Szene, dem ersten Treffen von Maria und Tony beim Tanzabend, putzen sich die Bandenmitglieder jedoch mit Anzügen, Hemden, sowie pastellfarbenen Petticoat-Röcken, die fast schon wie Tüll-Tutus anmuten, heraus.

Tutus
Tüll-Tutus

 

 

 

 

 

 

 

 

Ganz 50er Jahre Style! Diese Anspielung auf die Zeit der Entstehung des Stückes kommt immer wieder vor, wie zum Beispiel Tonys Lederjacke- auf Retro gemacht, aber mit Nierenschutz, wie heutige Motorradjacken diese haben…

Die Motorradjacke entsteht...
Die Motorradjacke entsteht…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch der Ort des Geschehens bekommt seine Würdigung: Amerika, das Land der Träume, so Marias Vorstellung, wird in dem bekannten Lied „I like to be in America“ ganz klischeehaft rübergebracht: Cheerleader in glitzernden Trikots, auf denen die USA-Flagge abgebildet ist.

Die Cheerleader-Trikots

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf einen ganz anderen Bezug legt Tanja Liebermann jedoch ebenso wert: Die größte Lovestory aller Zeiten (Romeo und Julia) dient als Vorbild der herzzerreißenden Beziehung zwischen Maria und Tony. Daniela Gerstenmeyer sieht in dem weißen Kleid, das trägerlos und bodenlang ihre Statur umschmeichelt, wie eine Prinzessin aus. Weißer Tüll – ein Zeichen von Reinheit und Unschuld! Davon könnt ihr Euch ab dem 15. Oktober in jeder Vorstellung der West Side Story selbst überzeugen…

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Diese Reise vom elisabethanischen Zeitalter (Shakespeare) bis hin zu der heutigen Mode, unterstützt somit die zeitlose Aktualität und Brisanz von Bernsteins Musical.

Natürlich wirken die Anziehsachen auf Kleiderharken ganz anders als angezogen. Das kennt jeder wenn er in einem Laden Kleidung kaufen möchte. Daher freue ich mich darauf, alles zusammengefügt das erste Mal zu sehen und bin außerdem gespannt, wie die Kostüme mit dem Bühnenbild harmonieren.

Text: Luisa König (Medien-Praktikantin im September/Oktober 2016 ); Fotos: Luisa König, Lutz Edelhoff (1), Alexandra Kehr (1)

 

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Alexandra Kehr

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