Vom Theater Erfurt an die “Scala di Milano”

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Als Assistent von Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz ist mein Arbeitplatz normalerweise das Theater Erfurt. Doch kurz vor der Sommerpause kam der Anruf von Dirigent Ingo Metzmacher, ob ich mit ihm als sein Assistent für die Produktion des “Wozzecks” an die weltberühmte Mailänder Scala mitkommen wolle. Natürlich habe ich zugesagt! Meine Eindrücke von der Arbeit in Mailand möchte ich hier ein wenig teilen und erzählen, was ein Assistent denn eigentlich so alles macht.

Wenn man an die Scala in Mailand denkt, erscheinen einem die Bilder eines prunkvollen Saales mit den vielen hohen Balkonen und viel rotem Samt. Der erste Probentag beginnt aber in abgelegenen Fabrikräumen außerhalb der Stadt, dem Probenzentrum „Ansaldo“. Niemand würde hier eine Werkstätte für die Weltbühne der Operngeschichte erwarten.

Die szenischen Proben laufen konzentriert und hoch präzise – große Stars wie Michael Volle oder Ricarda Merbeth sind immer unterwegs und haben wenig Zeit. Hier ist die Arbeit eines Assistenten gefragt, die szenischen Proben zu leiten, die der Dirigent Ingo Metzmacher häufig mir überlässt. Die ganze Atmosphäre ist ausgesprochen respektvoll und höflich. Man muss nach der Probe erst einmal einen Moment innehalten und vergegenwärtigen, welch ein Geschenk es ist, mit so großen Künstlern arbeiten zu dürfen.

Die größte Aufgabe eines Assistenten ist es aber, zu lernen, gut aufzupassen und viel zu erfragen. Dieses große Werk zu erforschen, die komplexe Partitur und wie sie einer der führenden Dirigenten unserer Zeit zum klingen bringt. Metzmacher dabei über die Schulter schauen zu können, ist eine bedeutende Lektion und eine große Inspiration. Komponist Alban Berg hat den größtmöglichen Ausdruck in eine ungeheuer aufwendige Form gebracht. Jedes der vielen kleinen
Details (Tempoangaben wie ein Viertel = 112 ½, in wie vielen Takten der Vorhang auf – und zugehen soll, in welchem Rhythmus gehustet oder auf die Schulter geklopft wird etc.) muss in einen großen musikalischen Fluss gebracht werden, was man hier auf faszinierende Weise beobachten kann.

Endlich geht es in den großen Saal! Auch hier gibt es zunächst Proben auf der Bühne mit dem Klavier, in denen auch ich dirigieren darf – ein überwältigendes Gefühl an diesem bedeutendem Pult zu stehen! In den Endproben mit dem Orchester, ist es die Aufgabe des Assistenten im Saal zu sitzen und gut aufzupassen. Sttimmt die Balance zwischen Orchester und Sänger, wo sind die Instrumente zu viel oder zu wenig zu hören, an welcher Stelle müssen die Sänger anders positioniert werden … ? Jetzt ist es Ingo Metzmacher, der alles ganz genau wissen möchte. Auch der Regisseur Jürgen Flimm ist dabei und bewirkt mit der Änderung kleiner Gesten ungeheure große Wirkungen. Auch hier kann man viel über Theater lernen.

Der große Reichtum den ich an Erfahrungen, Eindrücken und Impressionen aus Mailand an das Theater Erfurt mitnehmen kann, ist unbezahlbar. Und passt sicher in kein Flugzeug hinein – man muss es gut im Herzen behalten!

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Ein Kommentar zu “Vom Theater Erfurt an die “Scala di Milano””

  1. Lieber Peter, das ist ja ein Ding! Sei von tiefstem Herzen beglückwünscht, ich bin sehr, sehr stolz daraud, dass du diesen Schritt geschafft hast! Eine guteund erfüllte Zeit wünsche ich Dir, herzlich, Martin Stortz

Eingestellt von

Peter Leipold

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