Vom Fall eines Engels

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Weit bevor wir an die warmen Sommernächte denken, an denen wir uns bei den diesjährigen Domstufen-Festspielen von der Oper TOSCA begeistern lassen, sind wir schon eifrig am entwickeln und planen. Die Idee zur Bühne von TOSCA entstand beim Betrachten der Originalschauplätze. Der dritte Akt auf der Engelsburg wird überragt vom Erzengel Michael. Mit gezücktem Schwert steht er über der Szene, ein grandioses Barockkunstwerk. Floria Tosca und Cavaradossi, beide Künstler, stürzen über die Fallstricke der Politik und ihrem Verderben entgegen.

Uns wurde dieses Kunstwerk zum Symbol des Endes der Freiheit, der Kunst: Wir lassen diesen Engel also die Domstufen hinunterstürzen und zerschellen wie die Protagonistin.

Wie aber so etwas umsetzen?

Zuallererst entstand ein kleineres Papiermodell, um die Wirkung zu testen. Nach diesem Schritt waren wir uns dann sicher, dass diese Idee trägt und weiterverfolgt werden kann. Hier konnte  man schon allerhand Aufgaben erkennen, die einen bei der Umsetzung erwarten.

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Der zweite Schritt war ein exaktes Modell, doppelt so groß wie das erste, mit sehr vielen Details. Auch die reliefartige Oberfläche ist hier schon sehr schön zu erkennen, sowie die farbliche Fassung.

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Nun hatten wir das Modell zwar zur Anschauung, aber nun stellten sich die Fragen: wie kann man solche fließenden Formen, die von keiner Seite eine gerade Fläche oder Kante haben, überhaupt angehen? Wir müssen ja eine tragfähige Unterkonstruktion, ein Gerüst, eine Technologie zur Fertigung der Objekte finden! Und was ist eigentlich mit der enormen Windlast im Freien auf die Flügel?

Wir entschieden uns, neue Wege zu gehen und scannten die einzelnen Teile der Skulptur dreidimensional ein. Genauso wichtig war es in diesem Zusammenhang, die Domstufen selbst 3D in den Computer einzugeben.
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Nun haben wir also die Körper zur weiteren Bearbeitung als Gittermodell im Computer. Jetzt können wir uns endlich daran machen, sie erst einmal virtuell exakt an die richtigen Positionen auf den Domstufen zu platzieren und zu vermessen. Auch können wir diese Körper nun in Segmente zerlegen und für jedes einzelnen Segment eine konstruktive Lösung finden.

In einigen Wochen werde ich hier im Blog schildern, wie diese Konstrukte dann real Gestalt angenommen haben und weiter annehmen. Bis dahin gibt es allerdings für den Konstrukteur noch einiges zu tun!

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Hank Irwin Kittel

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