Viktoria Knuth über ihre erste eigene Regiearbeit und einen Alptraum

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Wie inszeniert man eine Geistergeschichte? Das hat sich auch Viktoria Knuth gefragt als ihr die Regie für “The Turn of the Screw” angetragen wurde. Lange überlegt hat sie nicht, denn einerseits mag sie diese Art von Geschichten persönlich, und andererseits bot sich die Gelegenheit für ihre allererste eigenständige Regiearbeit. Markus Jastraunig, der die Screw-Produktion als Regieahospitant begleitet, hat sich mit Viktoria Knuth ein wenig genauer über Benjamin Brittens Kammeroper nach dem Roman von Henry James unterhalten.

Wie bist du an die Sache rangegangen?

“The Turn of the Screw” war mir ja schon aus der Studienzeit bekannt, und schon damals war ich total von Henry James begeistert. Mit dieser Vorfreude hab ich gleich nochmals den Roman gelesen. Dann ging‘s gemeinsam mit meiner Ausstatterin Kristina Zimmermann ins Brainstorming. Kristina schlug mir im Laufe dieses Prozesses einen Raum vor, in dem ich dann das erste Mal Bilder sah. Sie hat mir ein Modell gebastelt, mit dem ich spielen durfte. Als ich dann auch noch kleine Figürchen bekam, enstanden die Szenen wie von selbst.

Da kam dann auch dein Inneres Kind zum Vorschein?

Absolut. Wenn das Kind in einem herauskommen darf, bedeutet das für mich, dass die Kreativität fließen darf, dass man in alle möglichen Richtungen denken darf. Dieses Gefühl der gedanklichen Freiheit ist das Schönste in diesem Beruf.

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Du fühlst dich im Moment also sehr wohl?

Unbedingt. Als besonders befriedigend empfinde ich, dass ich die künstlerischen Entscheidungen treffen darf. Und ich genieße die schönen Momente bei den Proben, wenn ich mit den SängerInnen und DarstellerInnen diskutiere und wir uns Ideen hin- und herwerfen und ich dann merke, dass es funktioniert, etwa rüberkommt.

Warum hast du dich eigentlich für diesen beruflichen Weg entschieden? Warum Regisseurin?

Ich hatte schon immer eine Vielzahl unterschiedlicher Interessen und konnte mich nie für eine Richtung entscheiden. Ich mag Kunst, Popkultur, Serien, Konzerte, Natur, Menschen, Achterbahn und vor allem die Arbeit mit Menschen. Das alles kann ich in diesem Beruf vereinen. Und solch eine intensive, vor allem auch emotionale Zusammenarbeit und Auseinandersetzung mit Menschen hat man nicht in vielen Berufen. Außerdem liebe ich die Oper und das Theater und freue mich jedes Mal aufs Neue, selbst tolle Aufführungen zu sehen.

Apropros Zusammenarbeit mit Menschen: Wie war für dich die Zusammenarbeit mit den KinderdarstellerInnen in „The Turn of the Screw“?

Nicht ganz einfach, aber andererseits auch sehr schön. Kinder haben keine professionelle Ausbildung und es gibt viel weniger Probenzeit mit ihnen. Die Kinder eilen ja von der Schule direkt in ihren „Freizeitwahnsinn“. Da spielt jeder mindestens ein Instrument und betreibt zusätzlich eine Sportart. Und die Hausaufgaben müssen auch erledigt werden. Wir Erwachsenen haben‘s da schon einfacher, weil wir uns auf eine Sache konzentrieren dürfen. Das Problem ist aber auch das Schöne daran, weil Kinder formbar sind und sich ganz schnell entwickeln. Die kriegen alles mit, hören und sehen alles und sind noch sehr neugierig.

Gibt es eine „Wünsch dir was“ – Produktion, bei der du mal unbedingt Regie führen möchtest?

Also das ist eine total furchtbare Frage für mich, weil ich in den nächsten Jahren vermutlich nicht in der Position sein werde, dies zu entscheiden. Mein Alptraum wären Traviata, Carmen oder auch die Zauberflöte, weil diese Stücke schon so oft interpretiert wurden und ich sie einfach nicht mehr sehen kann. Viel schöner sind für mich Opern, die neu sind, wie z.B. Kompositionen von Jake Heggie: moderne Musik, die schön anzuhören ist, nicht zu eckig und nicht zu experimentell, und die auch SängerInnen sehr gut liegt.

Übrigens: Viktoria liebt Pasta all‘amatriciana, Gin Tonic und war noch nie auf dem Oktoberfest.

Die Premiere für “The Turn of the Screw” ist am kommenden Freitag, 30. September, um 19.30 auf unserer Studiobühne.

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Eingestellt von

Alexandra Kehr

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