Tausende Hieroglyphen, Haare und kiloweise Goldfarbe – alles für AIDA!

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Bühnenbild-Entwurf für Aida von Renato Theobaldo

Ob wohl jemand im Bühnenbild von Aida lesen wird? Das geht mir durch den Kopf als ich mit Malsaalchefin Claudia Fischer bei einem Pressetermin vor den vielen Einzelteilen des Bühnenbildes stehe, die in in diesem Moment von der Technikcrew für die Proben im großen Haus zusammengefügt werden.

Malsaal-Chefin Claudia Fischer beim Pressetermin auf der Bühne

Verschieden große Holzwände, einzeln oder miteinander verbunden mit insgesamt rund 8000 !!!!! ausgefrästen Hieroglyphen – Zeichen des ältesten bekannten ägyptischen Schriftsystems – und maschinell angefertigt von Firmen in Bayern und Thüringen. Ein Auftrag, den unser Haus aufgrund des enormen Aufwands (ausnahmsweise) nach außen abgetreten hat.

“Wir haben dann im Malsaal aber noch rund 280 Kilogramm Goldfarbe aufgebracht”, fügt Claudia Fischer hinzu und deutet auf die riesigen, vernetzten Prospekte mit weiteren 14.000 !!! Hieroglyphen, die schon über der großen Bühne hängen und in unseren Theaterwerkstätten angefertigt wurden. Dafür gingen übrigens 100 Kilogramm Gewebekleber drauf!

Ausgedacht hat sich das Bühnenbild der Brasilianer Renato Theobaldo, der sich mit seinen Entwürfen eng an Verdis Bildvorstellung vom alten Ägypten gehalten hat. Die Anzahl der Hieroglyphen hatte mir Werkstattchef Stefan Rittmeister genannt, der dafür extra noch mal in den Konstruktionsplänen nachgeforscht hat. Denn, so Stefan Rittmeister, man könne ja nie wissen, ob jemand im Publikum mal nachzählt.

Auch die für Aida engagierte Kostümbildnern Sofia di Nunzio stammt aus Südamerika. Nach den Entwürfen der Argentinierin wurde in der Schneiderei und Maske genäht und gestaltet.

Jede Menge selbst gebaute Perücken für Amneris’ Freundinnen und weitere für die ägyptischen Sklaven und Soldaten sowie allerhand Schmuck und Bärte für die männlichen Choristen zeigt mir später Maskenchef Sasha Heider. Verarbeitet wurden dafür unter anderem gefärbte Rohwolle, Schnürsenkel, Möbelborte, Stoffstreifen, Perlen und Schaumstoff.

Ich bin (mal wieder!) mächtig beeindruckt, was die Werkstätten so drauf haben und sicher, dass auch das Aida-Publikum staunen wird, wenn es die Oper von Giuseppe Verdi bei uns sieht.

Bis dahin probt Regisseur André Heller-Lopes – ebenfalls aus Brasilien stammend – mit dem künstlerischen Ensemble. Seine Inszenierung orientiert sich an der Bilderwelt des alten Ägypten und folgt somit bewusst einem traditionellen Ansatz. Der zuständige Dramaturg Arne Langer schreibt dazu: “Aktuelle Bezüge ergeben sich für den Regisseur auch ohne entsprechende Zeichen in der Ausstattung. Die Opulenz der reich ornamentierten Räume will als Chiffre für den „goldenen Käfig“ verstanden werden, in dem das Pharaonenreich gefangen war. Um den eigenen Reichtum zu verteidigen oder gar zu vermehren, befand sich das Land immer im Kriegszustand. Auch ein glänzender Sieg über einen Nachbarn konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass dessen Niederlage den Nährboden für Rache und erneuten Krieg bereitet. In diesen unveränderlichen Kreislauf sind auch die handelnden Charaktere eingebunden.”

In der Rolle der Aida erleben wir Michelle Bradley. Generalintendant Guy Montavon hatte die amerikanische Sopranistin erst kürzlich verpflichten können nachdem er sie bei einem Vorsingen in New York gehört und gesehen hatte. Den König der Äthiopier spielt und singt der Südafrikaner Siyabulela Ntlale. Sänger und Sängerinnen aus Russland, Tschechien oder Georgien ergänzen die internationale Besetzung der Produktion.

Ach ja, Malsaalchefin Claudia Fischer und ich können die Hieroglyphen übrigens nicht entziffern. Auch der Journalist beim Pressetermin hatte keine Ahnung. Ich habe mir aber vorgenommen, Renato Theobaldo zu fragen…

Klickt hier gerne für einen Blick in den Malsaal bei der Gestaltung des Bühnenbildes und lest auch im aktuellen PROspekt noch mehr zu Aida.

Fotos: Paul Ader und ich (1), Beitragsbild (Bühnenbildentwurf ) > Renato Theobaldo

 

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Eingestellt von

Alexandra Kehr

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