Straßenkind, Partygast und Praktikantin

1 KommentarVeröffentlicht am Categories auf der Bühne, dies & das, Hinter den Kulissen, Im Scheinwerferlicht

Immer vor den Winterferien erreichen uns jedes Jahr viele Bewerbungen für ein Schülerpraktikum in unserem Haus. Für die meist 14-jährigen Mädchen und Jungen ist das einwöchige Praktikum eine gute Gelegenheit, sich mit Berufen am Theater vertraut zu machen. Sie haben die Möglichkeit, an Proben für aktuelle Stücke teilzunehmen und hinter die Kulissen zu schauen. In diesem Jahr gehört Tabitha Bethge (Foto) vom Erfurter Heinrich Mann Gymnasium dazu. Für sie ist das Theater Erfurt allerdings kein unbekanntes Terrain. Seit 2011 ist sie Mitglied im Philharmonischen Kinder- und Jugendchor, der seit vielen Jahren bei verschiedenen Musiktheaterproduktionen unseres Haus mitwirkt. Für unseren Theaterblog hat sich die Gymnasiastin an ihr erstes Mal im Theater Erfurt erinnert und erzählt außerdem über ihre Rollen in der Operette Pariser Leben.

“Als ich als neues Chormitglied im Alter von 10 Jahren das Theater Erfurt zum ersten Mal durch den Bühneneingang betrat, kam mir alles riesig vor. Helle Farben an den Wänden und im großen Treppenhaus und in den vielen Gängen war es an jenem Probenabend im Jahr 2012 sehr still. Ich habe eine Weile gebraucht, mich zurecht zu finden. (Der Weg vom und zum Orchesterprobenraum ist mir auch heute immer noch ein Rätsel.) Und dann die ganzen Türen und verschiedenen Ebenen! Wie soll man denn damit klar kommen? Logisch, in so einem großen Haus muss es viele Räume und natürlich auch viele Fluchtwege geben. Also braucht es einfach seine Zeit, sich schnell und vor allem richtig zu orientieren. Ich als Chorsängerin muss mir eigentlich nur merken, wo sich Ausgang, Chorsaal, Probebühne, Bühne, Maske und Toiletten befinden. Das klappt inzwischen auch ganz gut. Ich finde die Bühne immer zu richtigen Zeit, und das ist ja wohl das Wichtigste!

Mein erster Auftritt war in der Oper Carmen 2012, die das Theater Erfurt bis 2015  immer wieder im Programm hatte. Da wir einen Haufen Straßenkinder darstellten, wurden wir auch entsprechend kostümiert und geschminkt. Wir sahen so richtig dreckig aus! Gesicht und Hände wurden geschminkt, und leider fand sich die Schminke dann auch an einigen der hell gestrichenen Wände wieder… Inzwischen wurden unsere Spuren von fleißigen Malern aber wieder beseitigt.

Das Musikalische studieren wir zuerst in der Musikschule mit unserer Chorleiterin Cordula Fischer ein. Anschließend erarbeiten wir die Szenen mit und ohne Klavier im Theater auf der Probebühne, und danach geht’s auf die Bühne im großen Haus wo wir gemeinsam mit dem Orchester und dem Sängerensemble proben. Ein bisschen anders ist es, wenn wir – wie 2013 – bei den Domstufen-Festspielen mitwirken. Erst zur Generalprobe tragen wir unsere Kostüme. Bei den meisten Stücken stellen wir einen Kinderchor dar. Da dürfen aber nur wir Mädchen bzw. auch die Jungs mitsingen, die noch nicht im Stimmbruch sind.

Als wir Pariser Leben einstudiert haben, war ich echt nervös, denn zum ersten Mal hatten wir  richtig große Rollen. Für uns wurden zweierlei Kostüme bereit gestellt: Zu Beginn der Operette sind wir Reisende auf dem Pariser Bahnhof, später spielen wir Zimmerleute, die sich als Partygäste verkleiden. Alle Theatermitarbeiter, die an dieser Produktion mitwirken, sind nett, lustig, und immer fröhlich. Auch wenn wir während der Proben mal zu langsam für den Umbau waren oder im Weg standen – wir hatten nie das Gefühl, dass wir stören. Auch in der Maske oder im Kostüm dauerte es hin und wieder extrem lange. Manchmal fehlten Haarteile, ein Kleid war gerissen oder ein Schuhabsatz war abgebrochen. So wurde einmal der Torten-Schaum nicht vollständig weggewischt und jemand fiel hin und stauchte sich den Arm.

Tabitha Bethge als Partygast (rechts) mit einer weiteren Chorsängerin des philharmonischen Kinder- und Jugendchors und Máté Sólyom-Nagy als Baron von Yttratorp in "Pariser Leben". Foto: Lutz Edelhoff
Tabitha Bethge als Partygast (rechts) mit einer weiteren Chorsängerin des philharmonischen Kinder- und Jugendchores Erfurt und Máté Sólyom-Nagy als Baron von Yttratorp in der Operette “Pariser Leben”. Foto: Lutz Edelhoff

Es gab wirklich viele kleinen Pannen, und zwar nicht nur bei den Proben, sondern auch bei den richtigen Vorstellungen. Ich selbst musste einmal etwas länger in meinem großen schweren Kleid liegend vor der WC-Kulissentür ausharren weil sich der Stoff eingeklemmt hatte. Beim Verbeugen ist es auch manchmal ziemlich chaotisch, weil wir so viele Leute auf der Bühne sind. Der Zuschauer bekommt das aber meist gar nicht mit. Nach einer gelungen Vorstellung sind alle fröhlich ,und das ist wirklich immer so, auch wenn es schon die 10. Aufführung ist. Es macht einfach Spaß, auf der Bühne zu stehen, die Zuschauer zu begeistern und Applaus zu bekommen.”

Foto Tabitha Bethge: Alexandra Kehr

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Ein Kommentar zu “Straßenkind, Partygast und Praktikantin”

  1. Hallo, ich habe gerade alles gelesen! Ich finde es gut, dass man Praktika im Theater machen darf! Stand im Januar 2015 auch schon zusammen mit dem Philharmonischen Chor als Mitglied des Domchores auf der Bühne! Es war einfach unbeschreiblich dort zu stehen und die “Bühnenluft” zu schnuppern!
    Die Arbeit im Theater würde mich auch sehr interessieren!
    LG Andrea

Eingestellt von

Alexandra Kehr

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