Spießig schön – Kostüme für „Giulietta e Romeo“

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Riccardo Zandonais „Giulietta e Romeo“ liefert eine moderne Adaption von Shakespeares berühmter Tragödie, bei der zwei junge Liebende unter unglücklichen Umständen Suizid begehen.  Am 8. April feiert die Oper am Theater Erfurt Premiere.

Es wird spießig. Spießig schön. Giulietta und Romeo gehen noch zur Schule – in ein Internat, um genauer zu sein – und gehören zwei konkurrierenden Schulklassen an. Anstelle zweier verfeindeter Familien treten Klasse a und Klasse b in Erscheinung, sie könnten allerdings genauso gut ältere und jüngere Schülergruppen sein. Unterscheiden lassen sich die Capulets und Montecchis primär durch ihr Aussehen. Die einen wirken mit ihren schwarzen Brillen durchaus streberhaft, die anderen wiederum rebellisch und provokant, was vor allem ihren Masken zu entnehmen ist. In drei Akten beziehungsweise vier Bildern entwickelt sich das Drama um das bekannteste Liebespaar der Weltliteratur.

Die Ideen für die Kostüme gehen auf Frauke Langer zurück, die bereits sechs Produktionen am Theater Erfurt als Kostümbildnerin begleitete. Für Giulietta e Romeo entführt sie uns ins frühe 20. Jahrhundert, wo vor allem schlichte und strenge Kleidung das modische Bild der Zeit prägt. Als kleiner Verfechter von Hochgeschlossenem und Bubikragen nahm sie mich mit in den Kostümfundus und offenbarte mir die Kostümschätze.

Frauke Langer im Kostümfundus

In Zandonais Oper werden wir nicht mit dem klassischen opulenten Romeo und Julia-Look des 16. und 17. Jahrhunderts verwöhnt, sondern erleben zunächst die Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Das heißt: leider keine Puffärmel – schade eigentlich. Die Damenkleidung wird eher praktischer und einfacher gehalten, was vor allem anhand der weiten und knielangen blauen Röcke der Chordamen deutlich wird. Die hochgeschlossenen Blusen ergänzen das Bild einer schultypischen Uniform.

Erste Besprechungen zu den Kostümen gab es bereits im Dezember 2016; das Bild oben  in der Mitte der Collage (Ankündigung der Urauffühung 1922) hängt allerdings schon länger als Magnet an Frauke Langers Kühlschrank.

Unterwäsche ist ein großes Thema in der Oper: im Schlafsaalbild weilen die Mädchen in historischer Wäsche aus Baumwolle und Leinen in ihren Betten. Ein Teil der Unterwäsche ist hochgeschlossen, andere wiederum ein wenig freizügiger, hübsch verziert und mit Rüschen. Gerade Giuliettas loses, fließendes Blusenkleid wirkt nahezu grazil, fein und unschuldig. Auch Frauke Langer kommt ins Schwärmen…

In Giulietta e Romeo erfahren wir einen kleinen Zeitsprung: währenddessen die erste Hälfte vor dem ersten Weltkrieg spielt – die Schüler werden alsbald in den Krieg ziehen – befinden wir uns im 3. Bild bereits im faschistischen Italien um 1935. Das Zentrum bildet dabei eine Hochzeit, zu der die Hochzeitsgesellschaft in schlicht-eleganter Robe auftritt, helle geblümte Sommerkleider und farblich freundlich gehaltene Anzüge dominieren. Die Kleider hierfür stammen hauptsächlich aus dem Fundus. Ich würde gern alle mitnehmen, danke! 🙂

Dazu ergänzen sich jedoch auch faschistische Uniformen, die sinnbildlich für die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg stehen. Auf den folgenden Fotos probieren zwei der Chormänner gerade ihre Uniform an – dazu gehört die braune Breeches-Hose, heute als Reiterhose bekannt, das sogenannte „Schwarzhemd“ und eine Kappe. Die sitzt am Riemen extra locker, ansonsten können die Chorherren das Singen vergessen. Nahaufnahmen der Kappe gibt es leider nicht, hier wird nämlich etwas gemogelt: das goldene Wappen darauf ist kein italienisches…

Eigentlich wollte ich mich bei den Bildern zwischen den beiden Herren entscheiden – möchte ich aber nicht, die Uniformen stehen beiden!

Braut und Bräutigam sollen sich kleidungstechnisch auch an der Zeit orientieren, wie auf der von Frauke Langer angefertigten Fotocollage zu erkennen ist. Sie hätte vermutlich noch ein paar tausend mehr mit Bildern füllen können, denn „man macht immer mehr als erforderlich“.

Romeo als Chauffeur des Brautpaares passt sich diesem Stil idealerweise an. Er trägt die für die 20er und 30er Jahre charakteristische „Knickerbocker“, eine wadenlange weite Hose, die am Knie durch einen Bund geschlossen wird. Das Auto kommt im Übrigen auch auf die Bühne.

Was im 4. Bild inhaltlich als auch bei den Kostümen folgt, bleibt wohl vorerst geheim… Ebenso muss Frauke Langer spontan auf kurzfristige Änderungen an den Kostümen eingehen – das gehört nun mal zur „Stückentwicklung“ dazu. Zur Premiere am 08. April dürfen wir uns aber auf ein nostalgisch anmutendes, dem 20. Jahrhundert zugehörigen Gesamtpaket freuen!

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Magdalena Arnold

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