Seltsam, schräg und experimentell

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Martin Vogel
Martin Vogel

 

Das Erfurter Publikum kennt ihn vor allem als Puppenspieler: Seit 2004 spielte Martin Vogel in 53 Produktionen des Theaters Waidspeicher. Zusammen mit seinen Puppenspiel-Kollegen gastierte er zudem mehrfach in Opernproduktionen des Theaters Erfurt. In der STUDIO.BOX, der neuen experimentierfreudigen Spielstätte des Theaters Erfurt, wagt er sich nun auf ungewohntes Terrain: In Werke & Delikatessen, einem ungewöhnlichen Theaterabend zwischen Konzert, Performance, (Video-)Installation und Inszenierung, der sich auf musikalische Weise mit den Themen „Sport und Zeitvertreib“ befasst, ist er am 13. und 22. Dezember als „Schiedsrichter“ zu erleben.

 

Was erwartet die Zuschauer bei Werke & Delikatessen?   

Werke & Delikatessen
Martin Vogel („Schiedsrichter“) liest Texte von Erik Satie zu Illustrationen des Künstlers Charles Martin mit dem Thema „Sport und Zeitvertreib“, die Satie vertonte.

Man lernt auf alle Fälle eine andere, die sprachliche Seite des französischen Komponisten Erik Satie kennen. Auch ich wusste vorher nicht, dass er solche schrägen Texte zu seinen Musikstücken geschrieben hat, die fast wie eine Vorform des Dadaismus daherkommen. Das war auch für mich eine wirkliche Entdeckung. Ich kannte natürlich Klavierstücke wie die Gymnopédies, die alle von ihm kennen, aber nicht deren Hintergründe, nicht die teils absurden Texte, die Satie dazu verfasst hat und auch nicht seinen Klavierminiaturzyklus Sports et divertissements, der mit den Wechselwirkungen von Illustrationen, Texten und Musik spielt und in unserem Abend eine zentrale Rolle einnimmt. Auch sonst ist die Kombination von Musik und Text in Werke & Delikatessen eine ganz besonders spannende: Man hat auf einmal das Gefühl, der Text des amerikanischen Schriftstellers Henry David Thoreau, den ich vortrage und das Klavierstück IX von Karlheinz Stockhausen, das darauf folgt würden irgendwie zusammengehören, obwohl das zwei ganz verschiedene Sachen sind. Dieser musikalische Zugriff von Markus Weckesser, der den Abend konzipiert hat, diese besondere Verbindung von Sprache und Musik öffnet eine Tür in eine Welt, die man in einem Opernhaus eigentlich nicht erwartet.

 

Werke & Delikatessen
„Golf-Profi“ (Markus Weckesser) und „Schiedsrichter“ (Martin Vogel) in WERKE & DELIKATESSEN

Was ist für dich als Darsteller so besonders, anders und neu an dieser Art des Theaterspielens? Der Abend hat eigentlich keine Handlung und fordert mich weniger als Schauspieler sondern vielmehr als Interpret von Texten und Sprache an sich. Ich habe keine Puppe und auch sonst nichts in der Hand und statt mich zu bewegen sitze ich die meiste Zeit über auf einem Schiedsrichterstuhl. Ich muss mich ganz den Texten und dem Rhythmus der Musik hingeben. Es ist auch für mich „Eine Stunde Neuland“. Man muss sich darauf einlassen, etwas Seltsames, etwas Schräges, Experimentelles zu erleben, bei dem nicht mal wir Darsteller nicht wissen, wie es ausgehen wird. Es ist eine improvisatorische Theaterform, die vieles offen lässt, die es erlaubt, dem Ganzen in jeder Vorstellung eine neue Farbe, eine neue Richtung zu verleihen. Ich finde das absolut spannend. Wer auf so etwas Lust hat, der sollte da unbedingt rein gehen!

Wie war die Zusammenarbeit mit deinen beiden Bühnenpartnern? Es ist toll mit Stefano Cascioli zusammenzuarbeiten, einem jungen Pianisten, der große Lust auf so eine Quer-Erfahrung hat. Er hat sich auch schauspielerisch unglaublich in diesem Abend hineingeschmissen und war so gar nicht zimperlich, was die Musik betrifft. Zusammen mit Markus Weckesser, dem Regisseur, der selbst auch als Darsteller mitspielt, bilden wir ein Trio, das Spaß an schrägem Quatsch hat und das sich nun der Musik Saties gestellt hat.

Werke & Delikatessen
Stefano Cascioli als „Tennis-Profi“ spielt Werke von Charles Ives, Karlheinz Stockhausen und Erik Satie

Wie meinst du das? Manche empfinden Satie ja als langweilig und einschläfernd. Ich höre seine Musik eigentlich gerne. Manchmal ärgere ich mich aber, wie man im Alltag manchmal so ganz allgemein mit klassischer Musik beballert wird. Aber auch das entspricht ja auch einer der Ideen Saties: Mit seinem Konzept der „Möbelmusik“ spielt er auf solche Musik an, die nebenbei vor sich hinplätschert, während man sich ein Haarshampoo kauft oder ähnliches …

Fragen: Larissa Wieczorek, Fotos: Lutz Edelhoff

Für die Vorstellungen am Freitag, 13.12., und am Sonntag, dem 22.12. – jeweils um 20.30 Uhr – gibt es noch Karten! Weitere Infos: www.theater-erfurt.de/delikatessen

 

 

 

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Larissa Wieczorek

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