Rekordoper in Länge und Menge

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Während mancher Meistersinger-Sänger die Mittagspause debattierend in der Kantine zubringt, sich die ellenlangen Texte und Melodiebögen von Wagners viereinhalbstündiger Oper ins Gedächtnis brennt oder sich in einer Einzelprobe in höhere Tonlagen schwingt, hat Vazgen Ghazaryan (er singt und spielt den Pogner) einen Termin in der Schneiderei. Es geht für ihn um eine besondere Hose.

Zum Glück wird Kostümbildnerin Marie-Thérèse Jossen von der gesamten Fraktion der Nadel-, Stoff- und Fadenkundigen der Schneiderei unterstützt, die mit Fingerspitzengefühl an den zahllosen Kostümen für sage und schreibe 104 Sänger, Statisten und den Chor arbeiten.

Und im Notfall steht ihr auch noch Alexander Grüner als Assistent zur Seite. An jedem Detail wird penibel gearbeitet, und auch die Requisiten sind auf das äußere Erscheinungsbild abgestimmt. Eine Handtasche ist eben nicht gleich eine Handtasche. Die Kollegen der Requisite sind jedoch auch anderweitig eingespannt. Vera Nemirovas Inszenierung spielt unter anderem in einem Rundfunksendesaal im Nachkriegsdeutschland. Hier dürfen Kopfhörer natürlich nicht fehlen. Und um diesen die historische Authentizität zu verleihen, werden an jede Hörmuschel von Hand zurecht gefeilte Eisenstäbe angebracht.

Hank Irwin Kittel zeichnet zwar in dieser Inszenierung nicht für das Bühnenbild verantwortlich (sondern Tom Musch) – als Ausstattungsleiter des Hauses behält Kittel jedoch den Überblick darüber, was in den Werkstätten gepinselt, gefeilt und geschustert wird.

Besonders stolz ist er auf das sogenannte „Wiener Geflecht“: „Normalerweise besteht dieses aus kleinteilig verarbeitetem Holz. Das macht eine Menge Arbeit und ist auch sehr teuer. Wir haben für die Möbelherstellung deshalb mit Plastik gearbeitet, und ich finde, es sieht toll aus, oder?“

Stimmt, wir finden das auch und freuen uns auf die Premiere in zwei Wochen. Und hier kommt der Film zum Text:

Text und Video: Mara Hildesheim

Foto Figurine von Marie-Thérèse Jossen: Alexandra Kehr

 

 

 

 

 

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Eingestellt von

Alexandra Kehr