Pferdeköpfe für die Braut und ein „Basteltipp“

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Der Erfolg einer Opernproduktion hängt von vielen Faktoren ab. Wenn eine Produktion als „rund herum gelungen“ beim Publikum in Erinnerung bleibt, ist das natürlich für alle Beteiligten ein tolles Ergebnis. Aber manchmal sind es vielleicht auch nur eine Solistin, ein Solist und/oder der Chor oder das Orchester, die uns als Zuschauer begeistern. Oder wir finden das Bühnenbild und die Kostüme ausgesprochen schön und passend. Oder… Egal was, alles ist in Ordnung, geht es doch um meine, subjektive Wahrnehmung.

Im günstigsten Fall passt alles zusammen, gibt es ein starkes und überzeugendes Sängerensemble, eine schlüssige Regie und eine hervorragende Ausstattung. Auch für unsere aktuelle Produktion „Die verkaufte Braut“ von Bedřich Smetana tritt das komplette Ensemble natürlich an, um eben diesen Gesamteindruck beim Publikum zu hinterlassen.

Die Ausstattung liegt in den Händen von Mila von Daag, einer jungen Künstlerin, die für ihre Ideen leidenschaftlich und akribisch recherchiert (darüber berichtet sie hier im Blog ab und an auch selbst). In Zusammenarbeit mit unseren Werkstätten entstehen derzeit also nach ihren Vorlagen (Figurinen) und Vorgaben das Bühnenbild und die Kostüme für Die verkaufte Braut.

Besonders gefordert ist dabei auch unsere Maskenabteilung, die nämlich zwei Pferdeköpfe beschaffen muss, die selbstverständlich echt wirken sollen. Keine leichte Aufgabe, aber Maskenchef Sasha Heider-Friebel hat auch dafür eine Lösung gefunden und ist – nachdem seine Mannschaft die Pferdekopf-Formen angefertigt hatte – ins bayerische Würzburg gereist. Der Grund: das Würzburger Mainfranken Theater verfügt über ein sogenanntes Flockgerät. Damit werden einzelne Fasern auf die Pferdeköpfe aufgebracht die den „Felleffekt“ bringen.

Wer nun einmal selbst einen Pferdekopf basteln möchte, dem will ich Sashas schriftliche Anleitung dafür nicht vorenthalten. Sie erreichte mich per Mail und ist, wie ich finde, absolut nachvollziehbar. Für das Flockgerät müsst ihr dann nach Würzburg fahren… 🙂

→ Pferdekopf wird aus Styropor geschnitzt

→ Die Form wird mit Papier und Kleister (Tapetenkleister und Holzleim) kaschiert

→ Über den Kopf wird Varaform gezogen. Varaform ist ein gitterartiges steifes Kunststoffmaterial. Mit kochendem Wasser wird es übergossen damit es formbar wird. Das formbare Material wird nun um den Pferdekopf gezogen und in die Tiefen gedrückt. Um es in Form zu halten wird es mit Nadeln befestigt bis es wieder erkaltet und sich versteift.

→ Über Varaform wird mit Papier und Kleister (Tapetenkleister und Holzleim) kaschiert. Die Sichtfenster werden ausgelassen damit der Darsteller auf der Bühne gut sehen kann.

→ Nun werden aus Schaumstoff Ohren ausgeschnitten, angemalt und aufgeklebt.

→ Die Pferdeköpfe können nun mit Acrylfarbe farblich gestaltet werden.

→ Wenn alles gut durchgetrocknet ist kann der Dispersionskleber aufgetragen werden.

→ Mit dem Flock-Gerät werden dann einzelne lose Fasern Mittels Spannung „aufgeflockt“und wird mit Druckluft das Fell „frisiert“ um ihm seine natürliche Wuchsrichtung zu geben.

→ Nun werden die Augen bemalt und Höhen herausgearbeitet.

→ Zwischendurch kommen die Darsteller zur Anprobe damit die Position, wie das Pferd später auf dem Kopf des Darstellers sitzt, festgelegt werden kann. Im Innern des Pferdekopfes wird eine Filzkappe eingearbeitet und die Halterung befestigt.

pferdekoepfe
Ausstatterin Mila van Daag mit den fertigen Pferdeköpfen

Fotos: A.Kehr, S. Heider-Friebel (in Würzburg beim flocken), Lutz Edelhoff (Probenfoto oben)

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Eingestellt von

Alexandra Kehr

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