nahbar.nachhaltig.neu – die STUDIO.BOX

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Am 14. September eröffnet in der zweiten Etage des Theaters Erfurt, wo bisher das “Studio” zu finden war, die STUDIO.BOX. Der neue, nachhaltig gebaute Clubtheater-Raum ermöglicht es den Zuschauern, selbst mitten im Bühnenbild zu sitzen, zu stehen, zu tanzen oder umher zu wandeln.

So nicht: die Studiobühne bisher, mit Tribüne

Ich als Produktionsleiterin dieser Spielstätte werde oft gefragt, wie ganau man sich diese STUDIO.BOX vorstellen soll. Basierend auf Entwürfen und Notizen unserer Ausstatterin Mila van Daag, die die STUDIO.BOX konzipiert hat, möchte ich hier mehr von unseren Ideen verraten:

Aus dem bisherigen schwarzen Raum mit Zuschauertribühne und davon abgegrenzter, jedes mal neu in den Raum hineingebauten Bühne wird nun etwas ganz anderes:

Mehr als nur ein reines Bühnenbild

Die STUDIO.BOX versteht sich als Raumbühne, in der die Trennung von Zuschauerraum und Guckkasten-Bühne aufgehoben wird. Sie basiert auf dem Gedanken einer ganzheitlichen Rauminstallation, die sich aus beliebig vielen Elementen zusammensetzen kann. Der Bühneninnenraum unserer STUDIO.BOX misst 13×13 Meter und steht von hohen Wänden umschlossen – wie ein Kunstobjekt, durch das man hindurchgehen und das man umwandeln kann – mitten im Raum. Das Innere kann sich schließen und Privatsphäre oder Enge vorgeben, es kann sich aber auch öffnen und um hereindringende Faktoren erweitert werden, die ein “Außen” suggerieren. Die Raumbühne ist also viel mehr als ein reines Bühnenbild.

Nahbarkeit

Dank der zentral liegenden Spielfläche sitzt der Zuschauer nicht mehr nur wie ein passiver Betrachter vor der Bühne, sondern befindet sich während der Vorstellung/Performance in Reichweite der Darsteller – er erlebt zusammen mit diesen den rundum gestalteten Bühnenraum. Die zentrale Bühne schafft Nähe und Verbundenheit – die Grenze zwischen Inszenierung und Realität verschwimmt.

Der Weg in eine neue Welt

Das Erlebnis „Theaterbesuch“, das Eintauchen in eine andere Welten, Themen und Gedankensphären, verspricht umso intensiver zu werden, je stärker das Geflecht des Gesamtkunstwerkes ineinander greift. Bereits der Weg vom Foyer bis hin zum Sitzplatz kann nun Teil der Inszenierung sein. Der Freiraum zwischen der realen Studiowand und der Box kann als Fläche für Ausstellungen oder Installationen genutzt werden, die das Publikum schon vor Vorstellungsbeginn für das Kommende sensibilisieren, ihn verzaubern und einwickeln.

Der Raum verändert sich im Rahmen thematischer Zyklen

Die Box durchlebt in der Spielzeit 2019/20 vier Aufführungszyklen. Das hat zu Folge, dass sich auch das äußere Erscheinungsbild der Box viermal grundlegend ändern wird. Es orientiert sich dabei an den vier größten bzw. am aufwendigsten darin gezeigten produzierten Produktionen, um die herum jeweils mehrere thematisch an diese anknüpfende weitere Veranstaltungen im jeweiligen Setting (#1_wortreich, #2_raumzeit, #3_rauschen, #4_aufbruch) stattfinden.

Nachhaltiges Upcycling

Basierend auf dem Leitgedanken der Nachhaltigkeit werden die Bühnenwelten der STUDIO.BOX so ressourcenschonend wie möglich erbaut . Dies bezieht sich nicht allein auf den Grundbau der Box, sondern schließt auch eine Weiter- und Umnutzung, das Upcycling der Bühnenbildelemente mit ein. Variation und Modifikation an flexiblen Modulelementen, anstelle von individualisierter Spezialanfertigung schaffen einen riesigen Pool, aus dem geschöpft werden kann.

Wandelbar
Durch variabel austauschbare Wandelemente ermöglicht die Box eine Vielzahl von Spielanordnungen. Die STUDIO.BOX ist nicht nur Bühne, sondern auch Galerie, Tanzlokal, Konzertzimmer, Installationsobjekt oder Gesprächsforum – ein Ort für Unerwartetes, ein Ort des Experimentierens.

Thinking out of the box
Wir möchten immer wieder auch das Wesen der heutigen Theaterpraxis und die Erwartungshaltungen der Zuschauer auf die Probe stellen. Aus dieser Idee heraus entstanden für die STUDIO.BOX neue Programmformate, in denen festgeglaubte Genres und Unterhaltungsformen miteinander vermischt werden und spannende performative Wechselwirkungen aus traditionellen, aber auch unkonventionellen Musik- und Theaterformen gewonnen werden.

Gelegenheit dazu bietet vor allem die neue Veranstaltungsreihe EINE STUNDE NEULAND. Aus Werken bedeutender Künstlerpersönlichkeiten des 20. und 21. Jahrhunderts entwickelt das Studio.Box-Team kontrastreiche Abende zwischen Konzertperformance, Installation, Hörtheater und Inszenierung. So kann die STUDIO.BOX als Spiel-Raum in all seinen atmosphärischen, theatralen und klang-akustischen Möglichkeiten erlebt werden.

Mit ihren modernen Formaten sprengt die STUDIO.BOX die Erwartungen des Zuschauers und öffnet sich der regionalen Kulturszene. So fungiert sie als Schmelztiegel für Theaterexperimente und Uraufführungen und versteht sich als Ort, an dem Kunst und Pop neugierig aufeinander treffen, an dem Vision und Diskussion, Miteinander und Füreinander entsteht.

Gleich am Eröffnungstag (14.09.) lädt das STUDIO.BOX-Team bei freiem Eintritt zur interaktiven Installation Café Cage (frei nach John Cages 33 1/3), zum musikalischen Freischwimmen beim Poolkonzert mit Wassernixen und zur TANZBAR – Lindy Hop, einer Zwanziger-/Dreißerjahre-Motto-Tanzparty mit Tanzanleitung und Swingmusik. Am 20.09. folgt mit RadioTraum/Schrei die erste Premiere des Clubtheaterformats „Eine Stunde Neuland“: ein Kammertheaterabend mit Werken des Dadaisten Kurt Schwitters und des revolutionären Musikerneuerers John Cage. Die Kinderoper Die große Wörterfabrik entführt in eine Welt, in der Worte ganz besonders wertvoll sind und beim Wohnzimmerkonzert erklingt Synthie Pop / Indie-Elektro der Band MAMA.

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Eingestellt von

Larissa Wieczorek

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