“Mozart-Marathon” oder: Das etwas andere 7. Sinfoniekonzert

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Mozart-Marathon mit Samuel Bächli, Margrethe Fredheim und Tristan Hertweck

Für unseren 1. Kapellmeister Samuel Bächli geht ein weiterer Herzenswunsch am Theater Erfurt in Erfüllung. Nach der von ihm auf den Weg gebrachten und realisierten Reihe von Monteverdi-Opern unter seiner musikalischen Leitung (Orfeo, 2006; Die Krönung der Poppea 2013 und Die Heimkehr des Odysseus, 2016) sowie einem Regie-Debüt mit Offenbachs Pariser Leben, freut sich Bächli nun auf den “Mozart-Marathon” im 7. Sinfoniekonzert, nach dem Vorbild der legendären Akademiekonzerte des 18. Jahrhunderts. Noch nie gehört? Macht nichts. Samuel Bächli hat sich gerne Zeit genommen für ein paar Hintergrundinformationen…

“Das Sinfoniekonzert ist ein Produkt des 19. Jahrhunderts. In seiner traditionellen Form besteht es meist aus einem einleitenden Orchesterstück, einem Solistenkonzert vor der Pause und einer abschließenden Sinfonie, was zu einer musikalischen Gesamtdauer von 80 – 90 Minuten führt.

Im 18. Jahrhundert, auch noch in der Zeit Beethovens, gab es andere Konzertformen: eine der beliebtesten war das sogenannte Akademiekonzert. Ein Komponist interpretierte seine neuesten Werke, wobei er bestrebt war, einen möglichst breiten Überblick über sein Schaffen zu geben. Es ging nicht nur darum, Geld von zahlenden Besuchern zu bekommen, sondern auch darum, adlige Unterstützer zu finden.

Diese Akademiekonzerte bestanden meistens aus neuen Sinfonien, vom Komponisten vorgetragenen Klavierkonzerten, Kammermusik, Liedern und Arien. Sie waren deutlich länger als heutige Konzerte, unser Konzert, das wir als “Marathon” ankündigen, liegt nach damaligem Empfinden etwa im Mittelfeld. Dazu kommt, dass im 18. Jahrhundert nach jedem Satz geklatscht wurde. Alles, was gefiel, wurde sofort wiederholt, so dass wir noch etwa 50% der Gesamtdauer dazurechnen müssen, auch in der Oper, was bei langen Stücken wie “Figaros Hochzeit” oder “Don Giovanni” ziemlich extrem wird. Wir wissen aber aus zeitgenössischen Berichten, dass viele Zuschauer sich nicht alles an einem Abend zu Gemüte führten und auch oft sehr unaufmerksam waren.

Unser Programm ist keine Rekonstruktion eines bestimmten Akademiekonzerts, sondern versucht, in Anlehnung an diese alte Form, eine Mischung zwischen bekannten und unbekannteren Werken Mozarts zu finden. Am bekanntesten sind die beiden Klavierkonzerte, die als Schwesterwerke gleich hintereinander entstanden (Köchelverzeichnis 466 und 467). Sie gehören in ihrer Unterschiedlichkeit zusammen und geben dem Programm einen großen Rahmen.

Daneben lernen wir Mozart als kaiserlichen Ballkomponisten kennen und als Schauspielmusiker mit “Thamos, König von Ägypten”. Zwischen “Entführung” und “Figaro” entwarf er mehrere italienische Buffo-Opern, die Fragmente aus “Lo Sposo Deluso” weisen in Mozarts Zukunft. Heutzutage sehr selten zu hören sind die eindrucksvollen Konzertarien, wir führen zwei dramatische Exemplare aus verschiedenen Schaffensperioden auf.

So möchte unser Konzert in einem für uns neuen Rahmen ein paar Anregungen geben, unbekanntere Seiten dieses sehr ausgiebigen Komponisten zu entdecken. Auch darüber hinaus gilt: es gibt für Sie als Musikhörer noch viel zu tun.”

Das 7. Sinfoniekonzert steht am 21. und 22 Februar auf unserem Spielplan. Es ist allerdings schon seit Wochen restlos ausverkauft…

Bereit für den Mozart-Marathon: Margrethe Fredheim, Tristan Hertweck und Samuel Bächli
Bereit für den Mozart-Marathon: Margrethe Fredheim, Hornist Tristan Hertweck und Samuel Bächli.

Fotos: Lutz Edelhoff für Theatermagazin PROspekt, Ausgabe 8

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Eingestellt von

Alexandra Kehr

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