Mit vollem Körpereinsatz – Der Troubadour auf den Domstufen

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Ein letztes Mal wird auf der Probebühne des Theater Erfurt vor den lang ersehnten Theaterferien tief eingeatmet. Zwei Wochen lang wird „Der Troubadour“ auf der provisorischen Bühne im Großen Haus einstudiert. Anfang August gehts dann direkt auf die Domstufen bevor die Inszenierung von Jürgen R.Weber vom 10. bis 27. August bei den DomStufen-Festspielen 2017 gezeigt wird.

Jürgen R. Weber

Schon vor einigen Monaten hatten wir für diese Produktion zu Castings eingeladen, denn neben den Gesangspartien gibt es viele Statistenrollen. Gesucht und gefunden wurden Leibwächterinnen der Gräfin Leonora, die Soldaten der beiden Kontrahenten Graf Luna und Manrico und die hexenartigen Zigeunerinnen, Begleiterinnen der mysteriösen Azucena. Regisseur Jürgen Weber selbst hat alle potentiellen Kandidaten persönlich unter die Lupe genommen und scheute sich kein bisschen vor eigenem Körpereinsatz bei den Kampfsport- und Gymnasitikübungen.

Logisch, dass er dabei das Risiko eingehen musste, mehrfach selbst, auf die Matten des Ballettsaales geworfen zu werden.

Am Dienstag nach Pfingsten versammelte Jürgen R. Weber dann endlich sein Sängerensemble um sich und mit der Konzeptionsprobe begann nun offiziell die Probenzeit. Seine knappe, aber für den Einstieg absolut ausreichende informative Performance sorgte bei den Sängerinnen und Sängern für Staunen und Begeisterung. So erhalten Solisten individuell angefertigte, teilweise verborgene Waffen, um jederzeit für den Bühnenkampf bereit zu sein.

Und davon gibt es nicht zu knapp: Während in Verdis Werk die Schlachtszenen des Spanischen Bürgerkrieges nicht vorkommen, bringt Weber die ganze Brutalität auf die Dom-Stufen. Durch Rückblenden und andere Elemente aus dem Filmbereich bildet er somit die vollständige Geschichte des Werkes ab, die geprägt ist von einer ehrlichen, rohen Gewalt.

Samuel Bächli, der in diesem Jahr die musikalische Leitung inne hat, verspricht eine klare Durchstrukturierung des Werkes. Hierbei wird er sich besonders beim Tempo genau an die Vorschriften Verdis halten.

Samuel Bächli

 

Doch auch rhythmisch wird Herr Bächli die Aufgeregtheit des Stückes herausarbeiten und damit die Dramatik der Geschichte und seiner Figuren unterstreichen.

Eine weitere Besonderheit der diesjährigen Festspiele ist außerdem die veränderte Position der Bühne und Tribüne: Beide stehen parallel zum Mariendom und schaffen ein mittelalterliches Panorama, das zusätzlich nur wenige Meter von dem Zuschauern entfernt ist. Also, wer denkt, schon alles gesehen zu haben, was auf den Stufen geht, der irrt und darf sich überraschen lassen!

Auch 2017 wieder für Bühnenbild und Kostüme zuständig: Hank Irwin Kittel

Unter der doppelt so großen Spielfläche befindet sich das Philharmonische Orchester in einem Container, ohne direkten Kontakt zwischen Dirigent und Sängern. Diese gigantischen Ausmaße sind jedoch auf der Probebühne nicht umsetzbar. Hier muss ein winziger Abschnitt für die technischen Wege den Darstellern genügen, um mit einer Menge Phantasie die originalen Schritte festzulegen.

Wenn Sie neugierig geworden sind, dann kaufen Sie unbedingt ein Karte für die Festspiele! Übrigens ist Regisseur Jürgen R.Weber auch leidenschaftlicher Blogger und lässt uns hier noch näher an den Proben für Verdis Troubadour teilhaben.

(aufgeschrieben von Christopher Schönemann und Alexandra Kehr)

Fotos: Lutz Edelhoff

Foto Jürgen R.Weber: Mario Hochhaus

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Alexandra Kehr

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