Mit Sonnenbrille und Ledermantel – Der Regisseur Jürgen R. Weber

0 KommentareVeröffentlicht am Categories auf den Stufen, auf der Bühne, Domplatz, Hinter den Kulissen, Im Scheinwerferlicht

Die Vorfreude auf die DomStufen-Festspiele wächst! Seit zwei Wochen ist Regisseuer Jürgen R. Weber in Erfurt zu Gast und probt mit den Sängern für die Premiere im August. Zwischen Proben, Requisitenbesprechungen und Pyroeffekttests gibt er gerne Auskunft über sein Verhältnis zu Erfurt, dem Troubadour und Open-Air-Bühnen.

 

Du hast schon zweimal in Erfurt inszeniert und kommst hoffentlich gerne zurück. Was magst du an der Stadt?

Das Interessante an Erfurt ist, dass die Stadt scheinbar vom Zweiten Weltkrieg verschont geblieben ist. Es gibt nicht diese großen Löcher, wie in Köln oder Chemnitz, sondern diese alte Architektur, diese sehr intakte, fast schon märchenhafte Stadtstruktur, die in ihrer Konzentration auf den Domplatz, Domberg und Petersberg wie ein eigenes Kunstwerk wirkt. Man kann an vielen Stellen in der Stadt den Dom oder die Zitadelle sehen und dadurch hat die Stadt eine Kompaktheit.

Die Domstufen als Spielstätte sind sicher eine besondere Herausforderung für jeden Regisseur. Wie gehst du damit um?

Sicher ist eine Inszenierung auf den Domstufen eine Herausforderung für mich, weil ich noch kein Open Air in dieser Größe gemacht habe und weil ich sowohl den Erwartungen der Besucher, als auch dem Stück gerecht werden will. Bei diesen Festspielen vor dieser Kulisse sind die Grunderwartungen sehr hoch – das ist auch vollkommen legitim. Ich hoffe, dass ich die Herausforderung des Stücks bewältigen und gleichzeitig eine große, spannende Show bieten kann.

Besondere Bühnen fordern auch besondere Bühnenbildner. Mit Hank Irwin Kittel hat du schon mehrere Produktionen auch außerhalb von Erfurt zusammen realisiert. Was macht für dich eine gute Zusammenarbeit mit einem Bühnenbildner aus?

Dass ich auch selbst als Bühnenbildner tätig bin, macht die Zusammenarbeit manchmal gar nicht so einfach. Ich habe oft sehr konkrete Vorstellungen und das ist für einige Bühnenbildner eher eine Belastung, weil sie sich dann eingeschränkt fühlen in ihrer Kreativität. Mit Kittel war das immer total unproblematisch, wir bereichern uns gegenseitig. Er kommt aus der bildenden Kunst, ist selbst Maler, aber gleichzeitig Leiter der Ausstattungsabteilung. Diese Mischung aus Kunst und Organisation ist perfekt für so etwas wie die DomStufen-Festspiele. Und natürlich kennt er die Location so gut wie kaum ein anderer. Das ist ein riesiger Bonus.

Bühnenbildmodell für „Der Troubadour“

Du hast viel für das Fernsehen gearbeitet. Warum bist du zum Musiktheater zurückgekehrt?

Wir sollten uns nichts vormachen: so wie Deutschland im Musiktheater in der Champions League spielt, so ist das deutsche Fernsehen die Amateurliga. Die Qualität und Struktur ist mit das Schlechteste, was es gibt auf der Welt. Wenn man zu lange da arbeitet, dann zieht es einen emotional und kreativ total runter. Ich habe für Arte Doku-Serien gemacht, für den Kika Serien entwickelt und gedreht – diese Elemente waren sehr spannend –, aber daneben habe ich auch viele Serien geschrieben und gedreht, die mich im Endeffekt in ihrer Begrenztheit deprimiert haben. Ich hatte das Glück, dass einige Kommilitonen von mir, die mittlerweile an Theatern arbeiteten, wussten, dass ich nie die Verbindung zur Oper unterbrochen hatte. So hab ich die Chance wahrgenommen und bin jetzt sehr froh, wieder beim Theater zu arbeiten.

Das freut uns auch. Also zurück zum Troubadour: Dieser Oper wird häufig eine bizarre Handlung attestiert. Empfindest du das auch so?

Der Troubadour zeigt etwas, das über das normale Storytelling der Oper hinausgeht. Man sieht kleine Ausschnitte aus dem Leben von vier Personen, die irgendwie verbunden sind – durch die Vergangenheit, durch die Gegenwart, durch die Zukunft. Was ich besonders interessant finde, ist, dass der Troubadour damit viel näher am realen Leben ist, als viele andere Opern. Denn auch unsere Realität wird dominiert von bizarren Handlungen, die teilweise unglaubwürdig, unlogisch und schwer verständlich sind.

Es gibt sehr harte Schnitte zwischen unterschiedlichen Szenen, Orten und Situationen. Wie funktioniert das auf der Treppe, wo keine schnellen Verwandlungen möglich sind?

Wir nutzen die Domstufen wie eine Shakespearebühne, bei der ja auch mit ganz wenigen Andeutungen verschiedene Standorte erzählt werden. Dialoge können viel mehr über eine Situation erzählen, als ein bestimmtes Bild oder ein hübscher Hintergrund. Wir haben uns vorgenommen, mit einer halb shakespeareartigen, halb mittelalterlichen Bühne, die die Architekturelemente, die eh schon da sind, ergänzt, alle Möglichkeiten auszuschöpfen und eine spannende Geschichte zu erzählen.

Wir dürfen gespannt sein!

In unserem Blog finden sich auch schon spannende Probeneindrücke.

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Eingestellt von

Lorina Strange

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