Meuchelmord im Wasserbett – Endspurt für „Macbeth“-Proben

0 KommentareVeröffentlicht am Categories auf der Bühne, Im Scheinwerferlicht

Während die meisterlich Wagner singenden Solisten und Chöre aus Weimar und Erfurt die Probebühne beleben, hat sich das Macbeth-Team inzwischen voll und ganz auf der Hauptbühne einquartiert. Schließlich können die Proben, bei denen neben Gesang, Geduld und Kaffee auch das Element Wasser eine entscheidende Rolle spielt, nur auf der Bühne selbst stattfinden.

Den Mitwirkenden fehlt es nicht an der nötigen Lockerheit, die anstrengende Probezeit gut zu bewältigen.

So schlägt sich der russische Bariton Juri Batukov tapfer mit der deutschen Heiner Müller-Adaption des shakespeareschen Originals herum, lümmelt sich Stéphanie Müther (als Lady Macbeth wahnsinnig geworden) immer wieder im Wasserbett oder singt der Chor zunächst in fünf Metern Tiefe bevor er von dort mit Hilfe der Technik sichtbar auf der Bühne platziert wird.

In der Szene, die wir im Video sehen, ist das „Wasserbett“ des Ehepaares Macbeth jedoch in der Unterbühne verschwunden. Stattdessen lokalisiert sich das Spiel inmitten der Fauna (Foto), die Requisite und Werkstätten hergeben und die in einem speziellen Granulat verwurzelt ist. Das alles hat einen merkwürdig ursprünglichen Charakter. Gerade eben ist Duncan, der König Schottlands, tot in seinem Schlafgemach gefunden worden, dem Tode meuchlerisch durch Macbeth persönlich übergeben. Die Musik spricht jedoch nicht ausschließlich von tiefem Schmerz, sondern ebenso von zügelloser Wut und Unverständnis. Wer kann für solch eine Schreckenstat vor Gericht gestellt werden? Wie müssen wir uns verhalten? Und: Wie kann das altbewährte System der erblichen Monarchie, dessen Kopf und Herz nun aus dem Körper einer konservativen Gesellschaft gerissen wurde, aufrechterhalten werden?

Die Inszenierung von Pamela Recinella stellt Verdis Oper in einen gesellschaftlichen Kontext, der bis in die Gegenwart reicht. Jeder Zuschauer kann sich selbst den Spiegel vorhalten und seine Rolle imaginieren in einem tragischen Spiel rund um Macht, Politik und Alchemie.

Text & Video: Mara Hildesheim

Foto: Lutz Edelhoff

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Eingestellt von

Alexandra Kehr