Kammersänger Máté Sólyom-Nagy – ein ehrliches Interview

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Unser Bariton Máté Sólyom-Nagy darf ab sofort den Ehrentitel „Kammersänger“ im Namen führen. Die Auszeichnung wurde ihm heute in einem Festakt von Generalintendant Guy Montavon und Erfurts Oberbürgermeister Bausewein verliehen. Der gebürtige Ungar gehört seit der Spielzeit 2002/2003 zum festen Künstlerstamm und begeisterte Publikum und Kritiker seitdem in rund 100 Rollen verschiedener musikalischer Genres. Ob als Che im Musical Evita, Joseph Süß in Detlef Glanerts gleichnamiger Oper, als Titelfigur in Alban Bergs Wozzeck, als Papageno in Mozarts Zauberflöte oder aktuell als der Bär Balu im Dschungelbuch bei den Erfurter Domstufen-Festspielen – seine Leidenschaft für seinen Beruf ist stets unüberseh- und hörbar. Ich habe mit Máté über diese Auszeichnung gesprochen und wollte unter anderem wissen, was sie ihm bedeutet.

Glückwunsch Máté! Hast du damit gerechnet?

Ich freue mich wirklich sehr drüber, und nehme diese Auszeichnung als Würdigung meiner bisher geleisteten Arbeit als Sänger und werde auch weiterhin mein Bestes geben. Allerdings hat es mich schon sehr nachdenklich gestimmt, als ich von der Ehrung erfahren habe. Ich bin immer sehr kritisch mit mir selbst und halte mich nach wie vor für jemanden, der immer noch so unendlich viel lernen kann. Dann bekommt man so einen Titel und denkt: Wow, hat man jetzt alles erreicht? Und außerdem macht so ein Titel auch ein bisschen alt (lacht).

Du meinst also, man kann sich nicht einfach nur über so einen Titel freuen?

Doch, das schon, denn mehr Ehrung kann man als Opernsänger im deutschsprachigen Raum gar nicht erfahren. Aber ich weiß auch, dass ich längst nicht alles kann beziehungsweise werde ich auch mit dem K.S. vor dem Namen manche Partien vielleicht ablehnen müssen, weil ich dafür einfach noch nicht so weit bin. Ich freue mich weiterhin auf alles, was noch so kommt – ob große Oper oder Kinderstück. Ich liebe meinen Beruf, und ich hoffe, dass man das als Zuschauer auch sieht. So gesehen finde ich es auch gerechtfertigt. Aus unserem Theater Erfurt-Ensemble fallen mir schon Sänger ein, die noch viel besser singen können als ich. Aber als Anerkennung für meinen Einsatz für das Haus, für die Stadt, für Thüringen nehme ich den Titel gerne an.

Du bist der zweite Sänger an unserem Haus, der den Titel bekommt. Tenor Jörg Rathmann ist vor zwei Jahren damit ausgezeichnet worden…

Ja genau, Jörg Rathmann. Er ist für mich übrigens das absolute Vorbild in Sachen Disziplin und Leidenschaft für den Beruf. Für ihn steht an erster Stelle: Der Laden muss einfach laufen, und so verhält er sich, so agiert er als Kollege. Egal ob‘s vorher oder nach der Vorstellung was zu meckern gibt. Und da habe ich mir im Laufe der Jahre von ihm durchaus einiges abgeschaut.

Welche Rollen waren dir bisher die liebsten? Ich musste in den 15 Spielzeiten, die ich jetzt am Theater Erfurt bin, wirklich noch nichts machen, was ich nicht auch gerne singen wollte. Das ist auch ein Lob an unseren Chef Guy Montavon und all jene, die für die Rollenbesetzung verantwortlich sind. Ich fühle mich gut aufgebaut als Sänger. Ich kam ja praktisch als Grünschnabel hierher, hatte mein Sängerdiplom noch nicht in der Tasche, als ich hier fest engagiert wurde. Ich habe alles gerne gemacht und war immer mit dem Herzen und vollem Einsatz dabei – egal ob kleine oder große Rolle. Das und meine Ehrlichkeit könnte den Generalintendanten auch dazu bewogen haben, mich für den Kammersänger-Titel vorzuschlagen (lacht). Ich habe in den 15 Jahren tatsächlich zwei große Rollen zurückgegeben, weil ich mich der Partie einfach noch nicht oder auch nicht mehr gewachsen fühlte. Die Stimme eines Sängers verändert sich in den Jahren, und da muss man sich gut selbst einschätzen können. Natürlich bin ich gerne in Hauptrollen auf der Bühne, ich freue mich aber auch über kleine Partien oder bin wie in diesem Jahr sehr gerne Balu, der Bär im Dschungelbuch bei den DomStufen-Festspielen für Kinder. Ich sehe mich außerdem nicht unbedingt als Opernsänger, der auch spielt, sondern vielmehr als Schauspieler, der auch ein bisschen singen kann. Also all diese Rollen, in denen man als Darsteller sehr gefordert ist – wie zum Beispiel als Joseph Süß, Wozzeck, Eugen Onegin oder auch als Don Giovanni – mache ich wahnsinnig gerne!

Gibt es Partien, die du unbedingt einmal singen möchtest?

Vielschichtige Charakterrollen liegen mir einfach. Das kann ich gut, und da fühle ich mich sicher. Ich singe aber auch immer wieder gerne den Papageno in Mozarts Zauberflöte, und tatsächlich singe ich ihn in dieser Spielzeit schon zum siebenten Mal. Außerdem freue ich mich auf Die Lustige Witwe. Als Graf Danilo kann ich spielen und singen, bin also voll und ganz in meinem Element. Und alles weitere lasse ich auf mich zukommen.

Du sagst selbst, die Stimme eines Sängers verändert sich im Laufe der Jahre, und tatsächlich müssen manche Sänger irgendwann ihren Beruf aufgeben.  Wie ist das für einen Bariton?

Beim Bariton ist das relativ günstig. Natürlich weiß man nie, was passiert, aber mein Vater ist zum Beispiel Heldenbariton. Er ist jetzt 75 Jahre alt und stand noch mit knapp über 70 auf der Bühne. Irgendwann wurde seine Stimme tiefer. Dann war er zwar kein Heldenbariton mehr, konnte aber andere Rollen noch immer gut singen. Wenn ich das solange schaffe, wäre das toll!

Interview: Alexandra Kehr

Fotos: Lutz Edelhoff

 

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Alexandra Kehr

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