Instrumentenbau nach Hercules

0 KommentareVeröffentlicht am Categories auf der Bühne, Hinter den Kulissen

Als Konzert- und Musiktheaterpädagogen ist es unsere Aufgabe, möglichst viele Kinder und Jugendliche neugierig auf Theater und Musik zu machen. Dafür führen wir hunderte Kinder durchs Theater, besuchen Schulklassen und bereiten sie auf ihre Opernbesuche vor oder lauschen zusammen mit Jugendlichen bei Proben für Sinfoniekonzerte.
Ziel unserer Vermittlungsarbeit ist dabei immer, Angebote zu schaffen, die sich speziell mit dem Inhalt der Opern und Konzerte beschäftigen. Auch für das Oratorium „Hercules“ von Georg Friedrich Händel, das in diesen Tagen zum vorerst letzten Mal aufgeführt wird, hatten wir schon lange die Idee, einen speziellen Workshop zu gestalten. Herausgekommen ist dabei ein Instrumentenbauworkshop für junge Leute.
Zusammen mit sieben Kindern zwischen 8 und 12 Jahren sind wir zwei Tage lang in die Welt der griechischen Mythologie eingetaucht. Wir haben Klänge entdeckt, Instrumente gebaut und schließlich eine ganz eigene Hercules-Geschichte vertont.

Was ist ein Klang? Wie entstehen hohe Töne und wie tiefe? Wieso braucht es einen Resonanzkörper, damit wir überhaupt etwas hören? Durch viel Probieren und Hören an Röhrenglocken, Harfe, Marimba- oder Flaschophon konnten alle Kinder nachvollziehen, wie logisch Musikinstrumente aufgebaut sind. Dann ging es an den Bau der eigenen Klangkörper. Ausgerüstet mit Bambusstangen, alten Milch- oder Saftpackungen, Keksdosen, Strick, Angelschnur und allerlei anderen Utensilien machten sich die Instrumentenbauer ans Werk.

Die Idee, eigene Instrumente zu bauen, entstand bei der Recherche zur griechischen Antike. Die Instrumente, die die alten Griechen benutzt haben, waren einfache Flöten und Harfen in verschiedensten Formen. Diese „ursprünglichen“ Instrumente haben wir im Workshop in Form von Panflöten und einfachen „Mytarren“ (Mythos/Müll-Gitarren) nachempfunden. Mit Feile, Bohrer, Säge und viel Geschick entstand nach und nach ein ganzes Orchester, und wir konnten uns am Tag 2 ganz der eigenen Komposition widmen.

Händels Oratorium erzählt die letzten Tage des Helden Hercules. Es braucht aber einiges Vorwissen um zu verstehen, warum seine Frau Dejanira so eifersüchtig auf die schöne Prinzessin Iole ist oder wieso das Hemd, das eigentlich die Liebe neu entfachen soll, den Tod für Hercules bringt. So erzählte die Geschichte, die wir dann vertont haben, neben den Geschehnissen des Oratoriums, auch den Tod des Zentauren Nessus, der Dejanira das vergiftete Hemd schenkt und die Geschichte der geschwätzigen Fama, die das Gerücht verbreitet, dass Hercules Iole liebt.

Mit viel Kreativität und Konzentration entstand eine effektvolle Vertonung. Die selbstgebauten Instrumente lieferten zusammen mit Orchesterinstrumenten unterschiedliche Töne und Klänge, und so wurden Stimmungen, Emotionen und Charaktere vertont. Die  aufgeschriebene Geschichte verwandelte sich zu einer wunderbaren Klangerzählung.
Die Aufführung vor Eltern und Freunden zum Abschluss des zweitägigen Workshops war ein voller Erfolg, und wir freuen uns schon jetzt auf den nächsten!


 

 

 

Fotos: Lutz Edelhoff

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Eingestellt von

Friedrich Göring

Friedrich Göring

Erfahren Sie hier mehr