Göttliche Gewänder für La Calisto

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Die Proben für die Barockoper von Francesco Cavalli laufen auf Hochtouren, die Premiere rückt immer näher. Damit alles so funktioniert wie es soll, üben die Sänger und das Orchester fleißig. Doch auch andere Faktoren wie das Bühnenbild und die Requisiten müssen stimmen. Die Maske und die Kostüme runden alles ab. Letzteres machte mich besonders neugierig und gab mir Fragen auf. Um Antworten zu erhalten, machte ich mich auf den Weg in die Schneiderei.

Bei einem Interview mit Kostümbildnerin Frauke Langer fragte ich zu Beginn nach der Inspiration für die Kostüme. „Als erstes spricht man mit dem Regisseur [in diesem Fall Samuel Bächli] über dessen Vorstellungen. Dieses Gespräch dient als Grundlage für die ersten Ideen. Man probiert einiges aus und zeigt ihm, welche Entwürfe dabei rausgekommen sind“. Hierfür gab es viele historische Vorlagen. Die Kostüme gehen durch verschiedene Zeitepochen. „La Calisto spielt sowohl im Himmel, als auch auf der Erde. Die Kostüme gehen über die Zeiten hinweg und erinnern an verschiedene Stilepochen. So erreichen wir, dass die Erde zeitlos bleibt“, erklärt mir Frau Langer.

Bei einem Besuch in der Kostümabteilung wird mir schnell klar, was sie damit verdeutlichen wollte. Obergewandmeisterin Susanne Ahrens zeigte die Kostümentwürfe und erste Anfertigungen für La Calisto. Das Gewand von Jupiter erinnert an König Ludwig XIV., den sog. Sonnenkönig. Deshalb verziert eine große Sonne das Kostüm.

Andere Göttergewänder sind im Stil des Rokoko entworfen. Schäfer Endymion trägt ein griechisch bis römisch angehauchtes Gewand. Sogar eine Schlaghose aus den 70ern gehört zur Ausstattung.

Gewandmeisterin Constanze Klusch ist für die Kostüme der weiblichen Charaktere zuständig. Calisto wird ein gelbes Kleid tragen, bei dem sich der Schnitt an den 50er Jahren orientiert. Außerdem trägt ein Großteil der Frauen einen Mantel mit Panzer an der Vorderseite. Eine raffinierte Idee, hierfür Schaufensterpuppen zu zerschneiden.

So sehen die Panzer aus

Doch wofür dient der Panzer?

„Dieser gilt als Zeichen der Jungfräulichkeit. Die Damen werden nach und nach überredet, ihn abzulegen“, erklärt Frauke Langer. Auch Diana, Göttin der Keuschheit, wird durch den Panzer geschützt und an ihren Schwur erinnert. Endymion verzweifelt, da er annimmt, ihn nie durchbrechen zu können.

Jupiter wird ebenfalls einen gepanzerten Mantel tragen, wenn er in Gestalt von Diana auftritt. Auf die Frage, ob es eine Herausforderung sei, ein Frauengewand für einen Herren zu entwerfen, antwortete Frauke Langer eindeutig mit Ja. „Herr Batukov [Jupiter] hat natürlich eine komplett andere Statur als Frau Fredheim [Diana]. Das kann auch ein Kostüm schlecht verstecken“, sagt Frau Langer schmunzelnd und fügt hinzu: „Die Illusion liegt darin, dass Calisto mit Dianas Stimme verführt wird“.

Mich interessiert, wie lange es dauert, ein Kostüm zu entwerfen. „Es handelt sich um einen langen Prozess, der nicht in Stunden gefasst werden kann. Viele Absprachen und Änderungen sind notwendig. Auch die Finanzen spielen eine wichtige Rolle. Es gibt lediglich einen Zeitpunkt, zu dem die Schneiderei die Entwürfe benötigt“.
Während des Produktionsprozesses können natürlich auch Änderungen vorkommen. Die Kostüme werden den Sängern auf den Leib geschneidert.

Mal wird die Farbe geändert, mal gibt es Ideen zum leichteren Tragen auf der Bühne. So zum Beispiel beim Kostüm des Satirino, eine Mischung aus Ziege und moderner Tracht.

Susanne Ahrens zeigt mir Satirinos Hose

„Wir haben das Ziegenbein nicht wie im Entwurf geplant angesetzt, sondern linke und rechte Seite getauscht. So kann Sängerin Katja Bildt in ihrem Kostüm besser humpeln“, fügt Susanne Ahrens hinzu.

Auch Junos Kleid hat eine Besonderheit, erzählt Frauke Langer: einen Unterbau, der per Strick an den Seiten hochgezogen werden kann. Mit diesem Extra passt die Göttergattin Jupiters nicht nur besser durch die Tür, sondern kann einfacher die Treppe herab schreiten. „Es macht sehr viel Spaß, gerade solche Kostümideen zu entwickeln und zu verwirklichen“.

Der Besuch in der Ausstattung hat mich wirklich beeindruckt. Beim Anblick der prächtigen Kleider überkam mich der Wunsch, auch mal in ein Kostüm schlüpfen zu wollen. Vielleicht wird mir dieser ja noch erfüllt. Jetzt freue ich mich erstmal auf die Premiere von La Calisto am 1. März.

 

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Eingestellt von

Michelle Lebruschka

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