Eine große Frickelei, die Spaß macht

3 KommentareVeröffentlicht am Categories auf der Bühne, Hinter den Kulissen, Im Scheinwerferlicht

Zum ersten Mal spielt in einer Inszenierung an unserem Haus das Medium Video eine sehr bedeutende Rolle. Für die Uraufführung der Oper „Gutenberg“ von Volker David Kirchner hat sich Regisseurin Martina Veh die Videokünstler der Firma fettFilm aus Leipzig/Hamburg an ihre Seite geholt. fettFilm, das sind Torge Møller und Momme Hinrichs. Beide statten seit vielen Jahren Schauspiel- und Operninszenierungen in ganz Europa mit ihrer Videokunst aus. Und das sehr erfolgreich! Jetzt also ist das Theater Erfurt dran.

Wie habt Ihr Euch dem Projekt der Uraufführung genähert?

Torge: Es gab eine klare Vorgabe, nämlich, dass es keine historische Oper wird. Die ästhetische Stoßrichtung für uns war dieser überlieferte Kupferstich mit dem Porträt Gutenbergs. Das vermeintlich „Historische“ von Gutenberg transportieren wir praktisch in einem modernen Medium, der Videokunst. Wir arbeiten also mit der Kupferstich-Ästhetik, bringen dies in eine Art Zeichentechnik und bearbeiten das Ganze mit unseren üblichen Mitteln, damit am Ende ein interaktives Zusammenspiel mit der Bühne erkennbar ist. Unsere „nicht historische“ Figur (der Darsteller des Gutenberg) verschwindet also hinter einer Wand und wird plötzlich zur historischen Figur des Gutenberg. Wir zeigen das zum besseren Verständnis für die Blogleser in einem Video:

Ihr habt für beide Teile des Uraufführungs-Abends („Digitale Revolution“ und „Gutenberg“) einiges an Material gesammelt, wart an verschiedenen Drehorten auch außerhalb des Theaters. War das ebenfalls Teil des Regiekonzepts?

Momme: Es gab verschiedene Brainstormings für verschiedene Projektionen. Dabei entstand unter anderem auch die Idee für die Steve Jobs-Garage, also dem Ort in Kalifornien, an dem die digitale Revolution in den 70er Jahren ihren Anfang nahm. Eigentlich ging es zunächst nur um eine Projektion der Garage bzw. des Tores. Aber dann haben wir uns überlegt, dass wir ja durchaus auch das Innenleben der Garage per Video nachstellen und schließlich auch  projizieren können. Für uns war aber immer auch wichtig, den Überblick zu behalten und die verschiedenen Ästhetiken der beiden Teile des Opernabends auseinanderzuhalten. Es gibt in jedem Fall die Möglichkeit, an diesem Abend die Bandbreite des Einsatzes von Videokunst zu zeigen, also was man alles zaubern bzw. wie man faszinieren kann. Mit Kniffen und Tricks, die aber alle wahnsinnig davon abhängig sind, dass alles perfekt ineinandergreift. Wenns nicht klappt, wirds leider einfach nur peinlich. Es ist tatsächlich eine richtige Frickelei, die aber auch total Spaß macht.

 

Wie waren oder sind die Proben?

Momme: Sehr aufregend, alles spielt sich nach und nach ein. Es kommen bei dieser Produktion auch wirklich viele Dinge zusammen, und man merkt natürlich, dass es hier am Haus nicht üblich ist, permanent Projekte zu machen, die derartig komplex sind und auch viel Personal erfordern. Aber fairerweise muss man auch sagen, dass Torge und ich ja stetig an einer Sache arbeiten, praktisch 12 Stunden damit beschäftigt sind. Am Theater wechselt natürlich das Personal, also spielen viele Faktoren eine Rolle.

Ihr arbeitet als fettFilm GbR seit 2000 gemeinsam für Theaterinszenierungen, und das mit großem Erfolg. Was bringt der Einsatz von Videokunst wie Ihr sie macht dem Genre Oper?

Torge: Das ist ein Riesenthema. Theater ist für mich eine Illusionsmaschine, und Effekte wurden ja schon immer eingesetzt wie beispielweise im Barocktheater, wo Hintergründe gemalt wurden. Oper ist immer ein Zusammenspiel zwischen Bild und Musik, und da eignet sich natürlich das bewegte Bild, es zu integrieren in heutige Inszenierungspraxis. Das hat einfach einen großen Mehrwert. Weil sich so beispielweise gemalte Barocktheater-Hintergründe bewegen oder verändern können, sich dadurch im Wandel befinden.

Momme: Man darf im Theater – und auch in der Oper – nie den Entertainment-Charakter vergessen. Wenn man Menschen erreichen möchte, und vor allem auch diejenigen, die nicht schon alles wissen bzw. wenn man neue Wege gehen möchte, um eben auch neues Opernpublikum zu gewinnen, dann sollte man vielleicht auch mutig neue Wege bei den Inszenierungen gehen. So kann man auch mit Video zauberhafte, überraschende Momente schaffen, Fantasie anregen und bedienen. Das finden wir spannend, und das ist unsere Leidenschaft.

Das Gespräch führte Alexandra Kehr.

Fotos: Lutz Edelhoff (6), Alexandra Kehr (1)

 

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3 Kommentare zu “Eine große Frickelei, die Spaß macht”

  1. Gutenbergs Buchdruck wird als Schlüsselelement der Renaissance betrachtet. Für mich wäre es ein Schlüsselerlebnis die Inszenierung von “Gutenberg” am Theater Erfurt erleben zu dürfen ;-)! Schon heute darf man auf Reaktion und Echo gespannt sein und ich finde es lobenswert, dass die Verantwortlichen in Erfurt Mut beweisen, neue Wege zu gehen. Ich wünsche allen Beteiligten, dass dieser Mut vom Publikum honoriert wird und wünsche eine glänzende Uraufführung!

  2. Man sieht deutlich, wie engagiert alle Mitarbeiter sind ! Ich bin seit 1972 in Erfurt, ein eifriger Theatergänger und hatte immer das Gefühl, vom ersten Heldentenor bis zum Maler, Schuhmacher… sind alle mit dem Herzen dabei !
    Das zeichnet dieses Haus aus !
    Bin gespannt auf “Gutenberg”! Im neuen Haus gibt es viele technische Möglichkeiten, die das alte (heißgeliebte !) Theater nicht hat. Immer wieder schön zu erleben, dass das auch voll genutzt wird !

  3. Das klingt sehr interessant. Als ich zunächst von der Oper”Gutenberg ” las, klang das für mich eher nach einem laaangen schweren Abend im Theater. Eher etwas für die eingefleischten Opernfreunde. Aber nach diesem Blogeintrag denke ich, dass man mit dieser Inszenierung auch das Publikum erreichen kann, dass sonst am Theater vorbei läuft. Es würde mich natürlich freuen dafür Eintrittskarten zu gewinnen. Ich wünsche dem Projekt viel Erfolg !!!

Eingestellt von

Alexandra Kehr

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