“Ein Werk für die deutsche Seele”

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In drei Tagen ist es soweit: Wir feiern Premiere für Carl Maria von Webers Freischütz auf den Domstufen. Generalintendant Guy Montavon setzt das Werk in Szene. Er wünscht sich übrigens auch, dass das Publikum wie er selbst zur Premiere in Tracht erscheint. „Es ist kein Muss, aber ich würde mich riesig freuen weil es einfach zum Stück passt“, so Montavon. In der Sonderausgabe unserer Theaterzeitung PROSPEKT (erschienen im Juni 2015) erklärt Guy Montavon unter anderem, warum er den Freischütz gerne inszeniert oder sich das fertige Stück nur zur Premiere anschauen wird.

Mit Carl Maria von Webers Der Freischütz bringen Sie das Urgestein der deutschen romantischen Oper auf die Domstufen. Was genau fasziniert Sie an dem Stück?
Oh, eine Menge! Der Freischütz spiegelt die deutschen Tugenden des 19. Jahrhunderts wider und das wie keine andere Oper. Die Familie, die Ehre, der Widerstreit von Gut und Böse, die Religion – das sind die zentralen Motive des Stückes. Man muss sich vergegenwärtigen: Auf diesen Dingen beruht unsere Gesellschaft. Heute sind Werte wie Häuslichkeit und gegenseitiger Respekt, Dinge wie das gemeinsame Abendbrot nicht mehr unbedingt üblich. Der Freischütz steht einfach für die deutsche Seele und ihre ureigenen Sehnsüchte.

Welche Besonderheiten zeichnen Ihre Inszenierung aus?
Was die DomStufen-Festspiele ja immer zu etwas Einmaligen macht, ist das Erlebnis im Freien, die großartige Kulisse. Natürlich ist das Bühnenbild von Peter Sykora auch etwas Besonderes. Es versetzt uns mitten hinein in den deutschen Wald. Wir haben dafür 180 Baumstämme vom Forstamt Erfurt-Willrode ausgeliehen. Sie symbolisieren Beständigkeit und Ordnung. Dennoch ist das Bühnenbild sehr dynamisch, von oben nach unten, oder vom Himmel zur Hölle, ausgerichtet. Unten herrschen Chaos und Müll, das ist die Welt von Kaspar. In diese dunkle Welt kann man jederzeit hinab stürzen. Um diese Gefahr des Abstiegs geht es im Stück.

Wie oft sehen Sie sich den Freischütz auf den Domstufen an?
Ich sehe ihn während der Proben und einmal zur Premiere am 9. Juli. Als Zuschauer ertrage ich es kaum, meine Inszenierungen anzusehen und einfach auf mich wirken zu lassen. Ich bin Perfektionist. Ich sehe jeden Fehler. Das ist sinnvoll im Rahmen der Regiearbeit, aber unerträglich als Zuschauer.

Wann fällt die Entscheidung, einen bestimmten Stoff zu inszenieren, und wer darf dabei eigentlich mitreden?
Als Generalintendant trage ich die Verantwortung für die Auswahl der Stoffe. Aber natürlich beziehe ich mein Leitungsteam in die Entscheidung mit ein. Das passiert zwei bis drei Jahre bevor ein Stück Premiere feiert. Bei den DomStufen- Festspielen müssen außerdem die Belange der Kirche respektiert werden. Natürlich möchte das Domkapitel nicht, dass die religiöse Stätte durch die Aufführungen entwürdigt wird. Das hat einen gewissen Einfluss auf die Werkauswahl. Seit 1994 richtet das Theater Erfurt die DomStufen-Festspiele aus. Sie sind zu einem – wenn nicht dem – kulturellen Höhepunkt des Sommers in unserer Stadt avanciert.

Hat sich das Publikum in den 21 Jahren verändert?
Da haben sich verschiedene Dinge getan. Zum einen hat sich unser Einzugsgebiet
vergrößert: Unsere Gäste kommen inzwischen aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland. 2001 wurde aufgrund der großen Nachfrage die Zahl der Plätze verdoppelt. Es können
also deutlich mehr Besucher unsere Aufführungen sehen als früher. Außerdem bieten wir seit 2009 mit Domino ein Programm an, das jährlich mehrere tausend Kinder anlockt. Wir freuen uns, dass die Kleinsten auf diese Weise schon früh an die Festspiele herangeführt werden.

Wie sehen Sie die Zukunft der DomStufen-Festspiele?
Sehr positiv! Wir haben uns durch künstlerisch anspruchsvolle Aufführungen weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Die DomStufen- Festspiele haben sich zu etwas entwickelt, das aus der Thüringer Kultur nicht mehr wegzudenken ist. Gemeinsam mit dem Kunstfest Weimar, den Schlossfestspielen Sonderhausen und dem Puppentheaterfestival Synergura bieten wir Kultur auf höchstem Niveau mit überregionaler Ausstrahlung. Die Politik hat die Verantwortung, dieses Angebot zu erhalten und zu unterstützen.

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Eingestellt von

Alexandra Kehr

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