Ein Einblick in die Strafkolonie

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Paula Rieck und Caleb Yoo bei den PRoben zu "In der Strafkolonie"

Am 13. März feiert die Kammeroper In der Strafkolonie Premiere in unserer STUDIO.BOX . Die Proben dafür laufen seit einigen Wochen. Mit dabei ist auch Paula Rieck, die die Produktion als Regiehospitantin begleitet. Wie sie die Proben erlebt, hat sie  für unseren Blog aufgeschrieben:

„Seit ein paar Wochen gehe ich jeden Morgen, und auch am Abend, ‚In die Strafkolonie’. Beziehungsweise zum Theater Erfurt, denn dort absolviere ich gerade eine Hospitanz für Regie, bei der Kammeroper von Philip Glass nach der Erzählung von Kafka. Die Hospitation bei diesem Stück ist nun schon meine zweite, denn meine erste Stelle als Hospitantin durfte ich bei der Produktion The Fairy Queen – Ein Sommernachtstraum absolvieren. Doch diesmal findet die Oper nicht im großen Haus statt, sondern auf der Studiobühne, die zu Beginn der Spielzeit mit viel Liebe zur STUDIO.BOX verwandelt wurde.

Wer hier in letzter Zeit eine Veranstaltung, wie z. B. den Barocken Maskenball, besucht hat, weiß, dass die STUDIO.BOX kürzlich komplett in Gold gehüllt worden ist. Das Bühnenbild an sich ist recht minimalistisch: Wir haben 4 bewegliche Milchglas-Wände auf Rollen, eine Art Turm in der Mitte der Box und ein Paar kleine Requisiten. Das Publikum wird während des Stückes stehen und gehen. Wer das nach einer Weile nicht mehr kann, darf auch gerne auf einer der wenigen Bänke am Rand Platz nehmen.

Bühnenbildmodell von Mila van Daag zu "In der Strafkolonie" von Philip Glass
Bühnenbildmodell von Mila van Daag. Foto: Lutz Edelhoff

Wer also als Zuschauer die Strafkolonie besucht, hat die Möglichkeit sich mehr oder weniger frei durch das Geschehen zu bewegen. Warum? Weil das Publikum Teil der Inszenierung werden wird – aber davon verrate ich lieber nicht zu viel.

Dadurch, dass das Publikum um die Darsteller herum steht und sitzt, sich bewegen kann, muss das Regieteam auf einiges acht geben: Ganz klar, unsere Sänger, Caleb Yoo und Brett Sprague, haben in diesem Fall nicht nur eine „Spielrichtung“ wie es im Großen Haus der Fall ist. Das Publikum ist überall um sie herum, und im besten Falle ganz nah dran. Die Darsteller müssen also in alle Richtungen spielen. So müssen Brett und Caleb auch bedenken, dass das Publikum gegebenenfalls hinter oder neben ihnen stehen wird. Da das Publikum ja jetzt bei den Proben nicht dabei ist, müssen sich die Darsteller vorstellen, dass sich der Raum (wenn die Vorstellung voll besucht ist) mit ca. 150 Personen füllt. So müssen Regisseur Cristiano Fioravanti, Regieassistent und Inspizient Hans Walker und ich regelmäßig das Publikum darstellen, und den beiden Sängern als Anspielpartner dienen.

Paula Rieck und Caleb Yoo bei den PRoben zu "In der Strafkolonie"
Paula Rieck und Caleb Yoo (Officer) bei den Proben zu „In der Strafkolonie“ Probenfoto von Lutz Edelhoff

Dazu kommt, dass wir mit einberechnen müssen, dass bestimmte Wege durch das Publikum versperrt sein könnten, oder Plätze, die während der Proben noch zur freien Verfügung stehen, belegt sein werden. Damit müssen die Sänger rechnen, und so müssen sie darauf vorbereitet werden, flexibel zu reagieren: sie müssen verschiedene Varianten für all diese Fälle proben.

Caleb Yoo spielt den „Officer“ in Phlip Glass‘ In der Strafkolonie. Probenfoto von Lutz Edelhoff

Ich als Hospitantin muss während der Proben aber nicht nur das Publikum markieren, sondern auch abwesende Darsteller, wie etwa die Schauspieler Wolfgang Kaiser und Marvin Zeuner. So kam es erst vor einigen Tagen dazu, dass ich für die Rolle des Verurteilten einspringen musste. Deshalb wurde ich in einen Sicherheitsgurt geschnallt und in der „Maschine“, die sich in unserem Turm befindet, aufgehängt. Da Wolfgang sich während dieser Szenen in Seile hängen muss, um in seine Position zu kommen, war das nun auch meine Aufgabe, und ich muss sagen; davon hab ich ziemlichen Muskelkater bekommen! Spaß hat es trotzdem gemacht; und wir hatten viel zu lachen. Abgesehen davon spielt auch der Ton eine wichtige Rolle. Während im Großen Haus das Orchester vor bzw. unter der Bühne im Orchestergraben sitzt und somit für alle gut hörbar spielt, brauchten wir in der STUDIO.BOX eine andere Lösung: Das „Orchester“ besteht in Philip Glass‘ Komposition nur aus einer kleinen Besetzung: zwei Geigen, Bratsche, Cello und Kontrabass. In unserem Fall sitzen die Musiker hoch oben auf dem Turm inmitten der STUDIO.BOX. Warum auch das einen auf das Stück bezogenen Hintergrund hat, will ich euch nicht vorweg nehmen. Doch klar ist: von dort hören alle alles. Egal wo man sich im Raum befindet.

Ich habe auf jeden Fall den Eindruck, dass die Arbeit an der Kammeroper ein paar andere Aspekte abverlangt als ein Stück im Großen Haus. Es ist sehr interessant, dass ich auch diese  Art und Weise einer Inszenierung miterleben darf und freue mich deshalb schon sehr auf die Premiere!“

Premiere Fr, 13. März 2020, STUDIO.BOX
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Eingestellt von

Larissa Wieczorek

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