Dr. Giovanni oder wie Mozart im Krankenhaus landet.

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Als der Regisseur Philipp Kochheim und ich uns das erste Mal trafen, dachten wir über Möglichkeiten nach, die Geschichte des Don Giovanni näher an unsere Zeit zu holen, uns näher zu bringen.

Es war sofort klar, daß, wie in vielen Stücken aus der Zeit des Feudalismus, zwei Dinge heute schlecht vermittelbar sind: Die damaligen Rechte der Adeligen und der Glaube an das gerechte Gottesurteil.

Wie also umgehen mit einem Adeligen, der sich aufgrund seines Status alles herausnimmt und am Schluss des Stücks seiner Strafe in der Hölle zugeführt wird?

Wir suchten Orte und geschlossene Systeme, die nach wie vor stark hierarchisch gegliedert sind. Das Theater wäre eines davon (aber das wäre für das Publikum weniger interessant), das Militär, Schiffsbesatzungen ….und auch Krankenhäuser!

Nicht umsonst sind Krankenhausserien so beliebt, denn hier geht es um Macht und Liebe, charismatische Chefärzte und aufstrebende junge Assistenzärzte, um Hoffnung und Verzweiflung, um Leben und Tod.

Schon waren wir inmitten unseres kleinen Kosmos gelandet, alle Bausteine fügten sich nahtlos aneinander. Aus Don wird Dr. , der Komtur ist der Krankenhauschef und Dr. Giovanni sein Oberarzt, Dr. Anna die Tochter des Chefs usw. bis zum Küchengehilfen Masetto, der natürlich wenig Chance hat im Liebeswettstreit mit Dr. Giovanni um seine Braut Zerlina.

Auch die Psychoanalyse war zu dieser Zeit auf dem Vormarsch, was sich in der Ausstattung des Büros der tiefenpsychologisierenden Donna Elvira niederschlägt.

Dr Elviras Behandlungszimmer
Dr. Elviras Behandlungszimmer

Mit diesem Personal kann man die ganze Geschichte erzählen. Selbst der Tod des Dr. Giovanni, nicht auf Geheiss von höheren Wesen, wohl aber ein unnatürlicher Tod aus der Hand eines ärztlich fachkundigen Rächers (einer Rächerin?) liegt da nahe.

Aber Halt! Wer wird denn das schon in so einem kalten Krankensaal sehen wollen!

Der Ruf der “Götter in weiß” ist ja heute durch diverse Skandale, vergessene Tupfer und Skalpelle leider auch schon leidlich ramponiert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das noch etwas anders. Also fokussierten wir uns auf diese Zeit, und siehe da, da waren selbst die Krankenhäuser noch säulengetragene, ästhetisch schön anzuschauende Architekturen, der Herr Doktor noch mit Fliege und gestärktem Visitemantel unterwegs und das hierarchische Gefüge noch gefestigt. Hier war also unsere Heimat für Dr. Giovanni – irgendwo auf dem Mann´schen Zauberberg oder im städtischen Spital im reinen Jugendstil eines Otto Wagner in Wien.

Ein Fest für die Augen und, in der Kombination mit Mozart, natürlich für die Ohren !

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Hank Irwin Kittel

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