So haben Sie Jim Knopf noch nie gehört!

1 KommentarVeröffentlicht am Categories auf den Stufen, auf der Bühne, Autoren, Domplatz, Hinter den Kulissen, Im Scheinwerferlicht

Zu einem spannenden Abenteuer lädt am Samstag die Uraufführung einer Kinderoper auf die Erfurter Domstufen ein. Die Reise beginnt auf einer sehr bekannten Insel mit zwei Bergen, allerdings ohne den Schlager der Augsburger Puppenkiste. Für unseren Jim Knopf hat Komponist Tobias Rokahr ganz neue und frische Klänge gefunden …

Lukas (Gregor Loebel), Emma und Jim (Martiniana Antonie).

Eine Dampflokomotive rollt in diesem Sommer über die Domstufen: Es ist Emma aus Michael Endes Kinderbuchklassiker Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Dafür müssen auf den altehrwürdigen Steinen keine Schienen verlegt werden, denn auch im Roman braucht Emma keine Gleise, sondern fährt munter durch die unwegsame Wüste und sogar übers Meer.

Vor 60 Jahren veröffentlichte Michael Ende die Geschichte um den Waisenjungen Jim, die ihn als Autor weltberühmt machen sollte. Viele kennen die Serie der Augsburger Puppenkiste aus den 60er- und 70er-Jahren, 2018 folgte eine Realverfilmung, es gibt mehrere Hörspiele und Musicalversionen – nun erleben die Domstufen in der Reihe DOMINO-DomStufen-Festpiele für die Kleinen die Uraufführung einer Jim Knopf-Kinderoper.

Jim (Martiniana Antonie) wächst auf der beschaulichen Insel Lummerland auf, sein bester Freund ist Lukas, der Lokomotivführer (Gregor Loebel). Doch als Jim älter wird, macht sich König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte Sorgen, es könnte bald zu eng werden in seinem Reich. Und so brechen Jim und Lukas gemeinsam mit der Lok Emma zu einem großen Abenteuer auf. Dabei lernen sie so liebenswerte und skurrile Figuren wie den Scheinriesen Tur Tur und den Halbdrachen Nepomuk kennen und es gelingt ihnen schließlich, die entführte Prinzessin Li Si aus den Klauen des Drachen Frau Mahlzahn zu befreien und sie kommen dem Geheimnis um Jims Herkunft auf die Spur.

So klingt der Anfang des Abenteuers …

(Die musikalischen Auszüge sind elektronisch erzeugte Beispiele. Bei den Aufführungen wird die Musik live von Musiker:innen des Philharmonischen Orchesters Erfurt gespielt.)

Librettistin Katharina Tarján

„Michael Endes wundervolles Kinderbuch in einer einstündigen Oper unterzubringen, erwies sich als anspruchsvoller als zunächst gedacht“, berichtet Katharina Tarján, die das Textbuch verfasst hat. „Michael Ende ließ sich beim Schreiben von seiner Fantasie leiten und die Geschichte sich selbst entwickeln. Ich glaube, es ist uns gelungen, die poetische Grundstimmung zu erhalten, ohne wesentliche Elemente der Handlung streichen zu müssen.“

Tobias Rokahr hat die Musik zu Jims und Lukas‘ Abenteuern geschrieben. Dabei waren ihm Timing und Abwechslungsreichtum besonders wichtig. „Jede Figur, jede Szene hat ihren ganz eigenen musikalischen Charakter“, verrät der Komponist. So spiegeln sich die unklaren Größenverhältnisse des Herrn Tur Tur in seiner Stimmlage wider, die immer mal nach oben ausreißt. Bei König Alfons dem Viertel-vor-Zwölften hat sich Rokahr ein Wortspiel erlaubt: Sein kurzer Auftritt ist von Zwölfton-Klängen geprägt, die seine etwas wirren Gedankengänge nachahmen. Das gleichmäßige Schnaufen und Tuckern von Emma taucht wie ein roter Faden immer wieder in der Musik auf.

Komponist Tobias Rokahr

Auch für das bunte Treiben in Mandala, die undurchdringliche Wüste und die düstere Drachenstadt hat er fantasievolle Klangwelten erschaffen. „Bei der Atmosphäre der Musik habe ich mich nah an den Text des Romans gehalten“, sagt Rokahr. Die Silberglöckchen von Mandala stellt das Glockenspiel dar, die stechende Sonne der Wüste findet sich in den unangenehm hohen Tönen des Akkordeons wieder und in der Szene, in der Li Si eine Flaschenpost an ihren Vater abschickt, darf man auf den ausgefallenen Klang eines Waterphones gespannt sein.

Und so klingt es, wenn Jim, Lukas und Emma das Gebirge „Die Krone der Welt“ durchqueren …

„Ich hatte das perfekte Testpublikum“, verrät Tobias Rokahr und meint seine 10- und 12-jährigen Söhne. „Als die Jungs tagelang eine Melodie trällerten, die ich ihnen einmal vorgespielt hatte, wusste ich, dass ich auf dem richtigen Weg war“, sagt er schmunzelnd.

Genau wie der Roman in Jim Knopf und die Wilde Dreizehn eine Fortsetzung gefunden hat, ist auch von der Kinderoper ein zweiter Teil geplant. Für Autorenduo und Regieteam bedeutet das: Jim Knopf wird sie auch nach der Premiere nicht loslassen. „Die neue Partitur ist schon zu zwei Dritteln fertig“, sagt Tobias Rokahr. „Nachdem im ersten Teil oft Hitze und Feuer thematisiert werden, freue ich mich bei der Wilden Dreizehn auf die Elemente Luft und Wasser!“

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Ein Kommentar zu “So haben Sie Jim Knopf noch nie gehört!”

  1. Hallo, waren heute Sonntag, 18.07.2021 bei den Domfestspielen für Kinder: Jim Knopf .
    Es war eine wunderbare Veranstaltung! Das Bühnenbild, die Kostüme, die gesamte Aufführung waren sehr ansprechend und wunderbar auf die Geschichte abgestimmt. Kinder und Eltern hatten ein schönes Erlebnis. Vielen Dank!

Eingestellt von

Stephan Drehmann