Die Kunst des Soufflierens

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Sonst sitze ich in der Marketing Abteilung, nun auf dem Platz der Souffleuse bei den Proben zu Es liegt in der Luft. Eins soll gleich zu Beginn gesagt sein: Soufflieren ist nicht so einfach, wie man anfangs vielleicht denken mag.

Es ist beeindruckend, die Sänger, die man vorher nur meterweit entfernt auf der Bühne gesehen hat, nun „hautnah“ beim Proben zu erleben. Allerdings hat mich das auch etwas eingeschüchtert.

Da es die ersten Proben hier am Theater sind, bei denen ich komplett dabei sein darf, war ich dementsprechend aufgeregt. Nervös saß ich also am ersten Probentag da und wusste nicht so recht, wann ich überhaupt sprechen sollte. Vor allem bei den Liedern machte ich mir Gedanken, ob ich sogar mitsingen muss. Schnell wurde ich eines Besseren belehrt, als mein erster Souffliereinsatz gründlich scheiterte: ich musste nicht. Mir wurde erklärt, dass man immer auf das letzte Wort der Zeile achten und da den kommenden Text reinrufen müsse. Schön laut!

Was sich so einfach anhörte, stellte eine Herausforderung dar und bedurfte etwas Übung. Wichtig ist auch, beabsichtigte Pausen im Textbuch zu verzeichnen. Häufig war ich mir nämlich unsicher, ob eine kurze Stille wirklich gewollt war oder einen Texthänger bedeutete. So passierte es mir ab und zu, dass ich in den Kunstpausen sprach, was auch zu kleinen Lachern führte. Manchmal wiederum, vor allem in den Liedern, kam ein Texthänger so schnell, dass ich oft nicht rechtzeitig reagieren konnte. Oder die Szenen haben mich so fasziniert, dass ich kurzzeitig meine Tätigkeit als Souffleuse vergaß.

Es ist viel, was sich die Sänger merken müssen: Texte, Abläufe, Choreografien, wie man bestimmte Requisiten bedient. Da passiert es auch mal, dass ihnen vor lauter Aktion auf der Spielfläche der Text gerade nicht einfällt. Das ist vollkommen normal. Ich lernte, dass es die Sänger nicht stört, wenn man ihnen den Text zuruft. Es ist vielmehr eine Hilfe, auch damit sich die Wörter besser einprägen.

Irgendwann  sitzen dann Text und Abläufe. Man freut sich sogar mit den Sängern, wenn einzelne Momente oder komplette Szenen schon so klappen wie sie sollen. Außerdem stellten sich die Lieder als richtige Ohrwürmer heraus. Ich erwischte mich, wie ich schon morgens „Einmal will ich keine Sorgen haben“ trällerte, in den Proben „Eene meene ming mang ping pang“ gedanklich mitsang und abends mit „Es liegt in der Luft“ wieder nach Hause ging.

Eine Karriere als professionelle Souffleuse steht mir wahrscheinlich nicht bevor. Allerdings ist es mir eine Freude, bei den Proben dabei zu sein, denn es liegt viel Spaß in der Luft.

 

Im Bildhintergrund: Regisseur Fernando Blumenthal

Foto: Markus Weckesser

Text: Michelle Lebruschka, Duales Studium Marketing Management

 

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Michelle Lebruschka

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