Mit Joana Mallwitz auf musikalischer Entdeckungsreise

1 KommentarVeröffentlicht am Categories auf der Bühne, Auf einen Kaffee mit..., Im Scheinwerferlicht

Am kommenden Sonntag, 4. Oktober 2015, setzen wir unsere in der vergangenen Spielzeit begonnene Reihe der Expeditionskonzerte fort. Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz hatte die Idee dazu und mit dem Angebot bei unserem Publikum voll ins Schwarze getroffen. Über das Format, die Komponisten- und Werkauswahl sowie Franz Schuberts ganz besondere Bedeutung für Joana Mallwitz habe ich mit der Dirigentin gesprochen.

Das Konzept der Expeditionskonzerte ist einmalig. Was steckt hinter der Idee?
Wir möchten die Menschen einladen, die Ohren zu spitzen. Dabei wollen wir verschiedene Zuhörergruppen ansprechen. Zum einen die Sinfoniekonzertbesucher, die ein ganz bestimmtes Stück vielleicht noch einmal mit anderen Ohren hören und dabei Neues entdecken möchten, und zum anderen diejenigen, die sich vielleicht noch nicht trauen, ein ganzes langes Konzert mit verschiedenen Werken zu besuchen, aber dennoch neugierig sind. Wir beschäftigen uns im Expeditionskonzert ja nur mit einem Komponisten und einem Stück, dessen Kosmos wir aufschlüsseln und in das wir hinein hören. Und somit ist das ein schöner Einstieg, also ein Anreiz, einfach mal zu kommen und zu hören, was passiert. Selbstverständlich sind auch Kinder und Jugendliche willkommen.

Schubert, Mozart, Beethoven – drei Giganten der Musikgeschichte. Wieso haben Sie sich in der aktuellen Spielzeit genau für dieses Trio entschieden?
Schuberts Unvollendete ist eines der berühmtesten Stücke der Musikgeschichte überhaupt und um das sich wirklich viele Geheimnisse und Legenden ranken. Man fragt sich: Was hat es damit auf sich? Warum blieb dieses Stück unvollendet? Was hat Schubert dazu inspiriert?

Die Expedition Beethoven war schon in der vergangene Spielzeit ein sehr großer Erfolg und ausverkauft. Dieses Mal werden wir uns mit seiner 1. Sinfonie beschäftigen. Beethoven war längst ein berühmter, angesehener Pianist und Komponist auch auf anderen Gebieten als er diese Sinfonie herausgebracht hat, die heute eine sehr spannende Stellung in der Musikgeschichte einnimmt.

Bei Mozart geht es dieses Mal um Don Giovanni. Dieses Werk haben wir ab November die ganze Spielzeit über im Repertoire. Viele Menschen kennen das Stück, einige aber vielleicht nicht unbedingt die Version von Mozart. Im Expeditionskonzert reisen wir ein bisschen durch die Oper, greifen uns verschiedene Stellen heraus und schauen, was Mozart da gemacht hat.

Bleiben wir beim 1. Konzert, der „Expedition Schubert“. Was ist so faszinierend an ihm?
Schubert war einer der unprätentiösesten Komponisten die es überhaupt gab. Und genau das sieht man auch an seiner Unvollendeten. Er hat das Stück im Prinzip für die Schublade komponiert und auch nie miterlebt, wie es aufgeführt wurde. Es gibt sehr wenig Zeugnisse von ihm selber, weder über ihn noch über seine Kunst. Das unterscheidet ihn von Beethoven, Wagner oder späteren Komponisten, die ganz bewusst gesagt haben, dass sie für die Nachwelt schreiben. Schubert hingegen schrieb sozusagen in der dunklen Ecke, und dennoch bewegt sein Schaffen unsere Welt bis heute.

Nicht zuletzt ist die „Unvollendete“ tatsächlich eines der Stücke, warum ich überhaupt Dirigentin werden wollte. Ich habe mir mit 13 Jahren eine Partitur dieses Stückes zum Geburtstag gewünscht, obwohl ich gar nicht wusste, was man mit einer Partitur eigentlich macht. Und dann wollte ich das unbedingt dirigieren, wollte diese Musik machen, mich mein Leben lang damit beschäftigen. Diese Momente, in denen man so etwas kennenlernt, in Noten reinschaut oder plötzlich sowas entdeckt – diese Momente sind so wertvoll. Und genau das möchte ich auch in den Expeditionskonzerten vermitteln.

Sie berichten in den Konzerten auch privates über die Komponisten, erzählen Anekdoten. Wie bereiten Sie sich auf ein Expeditionskonzert vor?
Mit den Werken habe ich mich schon lange zuvor beschäftigt. Es würde auch nicht funktionieren, wenn man sich kurzfristig darauf vorbereiten würde. Die Ideen sind teilweise schon vor Monaten oder Jahren entstanden. Da sammelt sich einiges an, und dann überlege ich, was für das Publikum interessant sein könnte. Das Konzert soll ja keine dramaturgische Vorlesung sein, die sich mit der Entstehung des Stückes befasst, sondern ein großes Drumherum. Das setzt selbstverständlich auch ein großes Hintergrundwissen über die Komponisten voraus. Bei Schubert ist Vorbereitung auch deshalb so spannend gewesen, weil es kaum Selbstzeugnisse gibt. Da muss man richtig suchen. Aber das was es gibt, ist umso spannender.

Drei Expeditionen in der vergangenen Spielzeit liegen bereits hinter Ihnen. Wie haben Sie das Publikum erlebt?
Das Publikum ist unglaublich neugierig und offen! Ich habe ja immer gesagt, dass ich den Saal in Erfurt so liebe, weil man eben mit jedem einzelnen in Kontakt treten kann. Ich sehe wirklich jedes Gesicht, und das ist einfach ideal für dieses Format. Es war ein riesen Spaß bei Beethoven und Wagner und selbst bei Gubaidulina, was ja auch ein Experiment war. Doch die Zuschauer waren ernsthaft begeistert, waren ganz gefangen und haben mucksmäuschenstill zugehört. Später haben mir viele gesagt, dass sie normalerweise eher moderne Musik hören würden, das Konzert ihnen aber Ohren und Augen geöffnet habe. Und das ist natürlich das Schönste, was man hören kann, denn genau darum geht es ja auch.

Foto: Nikolaj Lund

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Ein Kommentar zu “Mit Joana Mallwitz auf musikalischer Entdeckungsreise”

  1. Ich habe letztes Jahr nur das Expeditions Konzert über die 6. Symphonie von Beethoven gesehen. Ich war begeistert.
    Für diese Spielzeit habe ich die drei Karten bereits erworben.
    Bitte weiter so

    Gruß Hans

Eingestellt von

Alexandra Kehr

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