Der Weltenherrscher auf den Domstufen

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Bühnenbildmodell Ausschnitt

Das Bühnenbild zu „Der Name der Rose“, der diesjährigen großen Produktion der Domstufen Festspiele, hat der renommierte Bühnenbildner Frank Philipp Schlößmann entworfen.

Als er im vergangenen Jahr gefragt wurde, ob er unter der Regie von Axel Köhler das Bühnenbild für „Der Name der Rose“ übernehmen würde, war er schon ziemlich ausgebucht. Und so hat er mich als seinen Assistenten mit ins Boot geholt, damit ich ihm sozusagen den Rücken freihalte. Wir haben zusammen schon mehrere Werke auf die Bühne gebracht.

Frank hat viel Erfahrung und denkt bei aller kreativer Fantasie gleichzeitig auch pragmatisch. Das kommt dem Produktionsprozess sehr zugute. In Franks Atelier in Berlin sind fast immer ein bis zwei Assistenten mit der Anfertigung von Modellen beschäftigt.

Frank selbst nutzt heutzutage vorwiegend Photoshop um in atemberaubendem Tempo, ebenso atemberaubende, räumliche Bildideen herzustellen.

Für den Bühnenbildentwurf zu „Der Name der Rose“ hat er schon ganz zu Anfang die Darstellung von Jesus als Pantokrator (Weltenherrscher) als Grundthema gewählt, die eines der ältesten Abbildungsprinzipien der christlichen Ikonographie ist.

Pantokrator
Pantokrator (© Gun Powder Ma)

Um daraus einen bespielbaren und wandelbaren Raum zu schaffen, hat Frank das Bild in 56 Rechtecke zerlegt, deren Formate auch Assoziationen zu Büchern erlauben. Die Macht der Bücher ist ein zentrales Thema des Stücks.

Pantokrator Aufteilung
Pantokrator Aufteilung

Diese Elemente haben wir dann im Modell nach ästhetischen und pragmatischen Gesichtspunkten gruppiert und so verteilt, dass sich verschiedene Spielorte und Wege für die Inszenierung ergaben.

Bühnenbildmodell Ausschnitt
Bühnenbildmodell Ausschnitt

Schließlich wurden nach und nach weitere Elemente erfunden, die sich aus dem Stück ergeben. So kamen auch etliche Bücherstapel dazu.

Bücherstapel
Bücherstapel

Manche von Ihnen bekamen einen festen Ort. Manche wurden beweglich konzipiert, so dass sich das Bühnenbild auch verändern kann. Für die Werkstätten des Theaters hatte das zur Folge, dass sie große Mengen von künstlichen Büchern herstellen mussten. Das ist nötig, weil die Bücher größer als in der Realität sein sollen, damit sie auf die Entfernung überhaupt wirken und weil echte Bücher in dieser Menge auch ein viel zu großes Gewicht hätten.

Bücherstapel Plastikerwerkstatt

Ein weiteres Element, das in der Produktion des Bühnenbildes einen großen Raum einnimmt, ist die Bodengestaltung. Hier wird eine schwarze Schraffur auf weißem Untergrund verwendet, die einerseits künstlerisch abstrakt ist, andererseits aber auch die Assoziation zu Schnee erlaubt, was im Stück auch eine Rolle spielt.

Domstufenmodell mit Schraffur
Domstufenmodell mit Schraffur

Da die historischen Domstufen natürlich nicht einfach angemalt werden können, werden die Stufen fast vollständig mit Holz verkleidet, auf das dann die Schraffur aufgemalt wird. Zum Glück hatte das Theater noch einige solcher Verkleidungen aus früheren Produktionen, die nun neu zu bemalen waren. Aber es musste auch viel Neues angefertigt werden.
Es ist eine riesige Fläche (ca. 1.000 m²) und wir sind sehr beeindruckt, was die Werkstätten des Theaters da an Bauvolumen und an Malerei leisten.

Überhaupt: Der oben beschriebene Pantokrator (ca. 400 m²) wird nicht einfach nur gemalt, sondern als Mosaik gestaltet. Das bedeutet, dass die Kollegen im Malsaal des Theaters Erfurt alle einzelnen Mosaiksteinchen malerisch dargestellt haben und zu einem großen Teil, im vorderen Bereich des Bühnenbildes, sogar noch plastisch hervorgehoben haben. Eine sehr umfangreiche Arbeit, die zudem auch noch besonders schön geworden ist.

Nachdem letzten Herbst das Bühnenbildmodell mit den beschriebenen Elementen im Maßstab 1:50 fertig gebaut war, kam der Regisseur, Axel Köhler, zu Frank ins Atelier und wir haben mit ihm zusammen am Modell das Stück einmal szenisch durchgestellt und dabei besprochen, welche Orte wie benutzt werden und wann sich das Bühnenbild auf welche Weise verändern soll.

Modell 1:50
Modell 1:50

Das war eine sehr konzentrierte Arbeit, bei der Axel Köhler gleich viele Ideen entwickelt hat und das Gesamtkonzept, das an diesem Tag erarbeitet wurde, wurde die Grundlage für die Regiearbeit, wie ich sie jetzt bei den Proben erlebe. Und auch jetzt, viele Monate später, ist immer noch sehr gut zu erkennen, was wir damals schon besprochen hatten.

Anschließend habe ich alles, was beschlossen worden war, in technischen Zeichnungen und Abbildungen dargestellt und dokumentiert.

Mit diesem Material wurde das Bühnenbildkonzept dann der Leitung des Theaters und den technischen Vorständen vorgestellt und gemeinsam diskutiert, wie es im Rahmen des Budgets und der personellen Kapazitäten realisiert werden kann. Der Entwurf wurde weitgehend in seiner ursprünglichen Fassung übernommen. Anschließend haben Konstrukteure des Theaters unsere Entwurfszeichnungen in fachgerechten Werkzeichnungen so ausgearbeitet, dass Tischler und Schlosser danach bauen können

und dass alles den statischen Anforderungen einer Freilichtbühne entspricht, die nicht nur von vielen Darstellern begangen wird, sondern notfalls auch einem Unwetter standhalten muss.

Wir hoffen natürlich, dass diese Eigenschaft nicht zum Tragen kommen muss!

Die fertigen Teile des Bühnenbildes werden bis zum Aufbau im großen Kulissenlager des Theaters Erfurt deponiert. Derzeit sieht man dort, wohin man auch blickt, überall die vielen Teile dieses großen Bühnenbildes.

Es werden spannende Tage, wenn Ende Juli die Bühne dann zum ersten Mal auf den Domstufen aufgebaut wird.

www.domstufen-festspiele.de

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Eingestellt von

Marc Loehrer

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