Der liebenswerte, kauzige Pettersson

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Die Proben zu Pettersson und Findus und der Hahn im Korb haben begonnen und unser „Pettersson“ wird von Jörn Schümann verkörpert. Er gastierte bereits 2003 in Zar und Zimmermann am Theater Erfurt. Nun ist er für die Domino-Produktion zurück gekommen.

Herr Schümann, seit Ihrem letzten Engagement sind 16 Jahre vergangen, ist Ihnen Erfurt in Erinnerung geblieben?
Ja, allein schon aus dem Grunde, dass Erfurt mein erstes „reguläres“ Gastengagement neben meinem Festengagement an der Hamburgischen Staatsoper war. Und dieses Gastengagement fand dann auch noch in der Zeit der Eröffnungswoche des Theaters statt!  So war die Aufregung und Neugier im Haus, wie der Neubau beim Publikum ankommt, groß und natürlich auch, ob der Bau im Theateralltag überhaupt funktioniert. Eine ganz besondere Stimmung also. Außerdem hat mir die Stadt Erfurt, ich war vorher noch nie hier, sehr gefallen.

Der liebenswerte, kauzige Pettersson – wie nähern Sie sich der Figur?
Ich bin auf einem Bauernhof in Schleswig-Holstein aufgewachsen, in einer Seitenstraße außerhalb des Ortes gelegen, unsere Nachbarn waren ebenfalls nur Bauern. So kommt mir der gute alte Pettersson wie ein Bekannter der Kindheit vor. Unser direkter Nachbar war ein Kleinbauer, der nebenher einen Schrotthandel betrieb und Tüftler wie Pettersson war. Sein Hof war rumpelig-urig und überall standen selbstkonstruierte Maschinen herum. Aber auch heute noch gibt es solche „Käuze“. Der ältere unserer Söhne fährt dieses Jahr zum 4. Mal auf eine Schweizer Hoch-Alp, um den ganzen Sommer über dort Kühe zu melken und Käse zu pflegen. Der Käse wird dort direkt auf 2000 Meter Höhe hergestellt, total faszinierend. Wir besuchen ihn, wie jeden Sommer, und die Älpler, die dort oben leben entsprechen ebenfalls dem „Typ Pettersson“.

Kannten Sie die Kinderbücher des Autors und Illustrators Sven Nordqvist?
2002 haben wir bzw. unsere Söhne das erste Pettersson und Findus Buch geschenkt bekommen und dann in Folge noch viele weitere. So hieß dann auch eines der Zwerghühner unserer Kinder „Prillan“. Dieses Huhn entsprach im wahren Leben genau dem Charakter des Originals: sehr resolut!

Für einen Sänger haben Sie relativ viel Dialogtext zu sprechen, ist das ungewohnt?
Nein, ich habe inzwischen einige Partien mit mehr oder weniger Sprechanteil gesungen. Ich empfinde es aber immer wieder als Herausforderung, diese Passagen zu gestalten. Sie müssen mindestens mit der Energie der Musik mithalten ohne übertrieben zu wirken, aber mit Fernando Blumenthal haben wir einen ausgebildeten Schauspieler mit unglaublicher Erfahrung als perfekten Regisseur dafür.

Unsere Aufführung findet im Rahmen der DomStufen-Festspiele statt, konnten Sie schon  Open-Air-Erfahrungen sammeln?
Im Rahmen der Schweriner Schlossfestspiele habe ich bereits in drei Open-Air-Produktionen mitmachen dürfen. Es ist immer etwas Besonderes durch die äußeren Umstände wie z.B. das Wetter oder auch die Geräusche der Umgebung. Aber natürlich auch durch den Umstand, dass alles an den Spielort geschafft werden muss; angefangen von den Kulissen bis hin zur letzten Haarklammer der Kollegen von der Maske.

Fotos: Lutz Edelhoff


Jörn Schümann war nach seinem Gesangsstudium an der Hochschule der Künste Berlin im Internationalen Opernstudio der Hamburgischen Staatsoper und wurde anschließend in das dortige Ensemble übernommen. 2006–07 wechselte er an das Theater Bremen, und von 2007–13 war er Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin. Inzwischen ist er freischaffend tätig und hat seither u.a. am Theater Altenburg-Gera, an der Semperoper Dresden, am Theater Chemnitz und wieder an der Hamburgischen Staatsoper sowie der Deutschen Oper Berlin gesungen.

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Eingestellt von

Doris Schmidt

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