Der Fächer als Liebesbotschafter

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Liebe, Intrigen, Leidenschaft, Macht, Geld – Die lustige Witwe bietet genügend Themen, die eine Probenarbeit lebhaft, interessant und spaßig machen. Dabei kursiert inmitten verschiedenster Beziehungen und Affären das wohl wichtigste Accessoire der Operette: Ein Fächer, der nicht nur als manueller Ventilator, sondern auch zur Übermittlung geheimer Liebesbotschaften dient und zu einem wichtigen Spielball in der Handlung wird.

Er taucht von Zeit zu Zeit bei irgendwem irgendwo auf der Bühne auf. Das macht es auch für Proben schwierig, denn meist findet man das wichtige Requisit auf keinen Fall dort, wo man es vermutet. Das ein ums andere Mal heißt es dann: „Wo zum Teufel liegt denn nun schon wieder dieser verdammte Fächer!“.

Die Chorsolistinnen Barbara Joseph, Annie Kruger, Ewa Zakrzewska und Ibolya Rudas

Zum Glück steht – dank des Requisitenbestandes – eine diverse Auswahl der begehrten Accessoires zur Verfügung. Aber in der einen oder anderen dynamischen (Tanz-) Szene geht durchaus mal ein Fächer zu Bruch, sodass es immer ratsam ist, einen reichlichen Vorrat parat zu haben.

Auch einem Zuschauenden, dem die Handlung der Operette sehr vertraut ist fällt es wahrscheinlich schwer, den „Weg des Fächers“ nachzuvollziehen. Deswegen hier in aller Kürze seine Geschichte:

Der Fächer gehört Valencienne, der Frau des pontevedrinischen Botschafters in Paris, die eine glühende Affäre mit dem charmanten französischen Diplomaten Camille de Rosillon verbindet. Blöd nur, dass Monsieur Rosillon sein Liebesgeständnis unbedingt auf ihrem Fächer verschriftlichen muss: „Ich liebe Dich“ steht darauf nun für jeden lesbar. Klar, dass die junge Frau den Fächer samt Liebesbotschaft vor ihrem Mann zu verstecken versucht.

Jedoch befinden sich die beiden heimlich Verliebten recht bald auf einer verzweifelten Suchaktion, da Valencienne den Fächer – ärgerlicherweise – verloren hat. Gefunden wird er zunächst von einem pontevedrinischen Politiker, von dem er über den Botschafter Baron Zeta, an den Grafen Danilo gelangt, welcher nun die Eigentümerin ausfindig machen soll. Doch auch dessen detektivischen Fähigkeiten gelangen an ihre Grenzen und eine Enttarnung gelingt ihm nicht. Der Fächer gerät daraufhin kurz in Vergessenheit.

Als Camille und Valencienne sich zu ihrem nächsten geheimen Rendezvous treffen, finden sie dort – oh Wunder – den Fächer! Endlich wieder in den richtigen Händen währt das Glück allerdings nur kurz, denn Camille de Rosillion vergisst – wie sollte es anders sein – den verhängnisvollen Fächer im verschwiegenen Pavillion. Schlussendlich kann eine Enthüllung ihrer Affäre um Haaresbreite verhindert werden, sodass die Handlung zu einem gelungenen Operetten-Schluss gelangt: Ende gut, alles gut!

…Und im besten Fall landet der Fächer auch am Ende der Probe wieder auf dem Requisitentisch hinter der Bühne! 🙂

Startfoto: Lutz Edelhoff

Text & weitere Fotos: Johanna Heber

(Johanna studiert Musikwissenschaft & Kulturmanagement in Weimar und hosptiert im Regieteam der Lustigen Witwe)

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Eingestellt von

Alexandra Kehr

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