Der Domplatz als Schlachtfeld

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Wer dieser Tage einen Blick auf die Domstufen wirft, ist fasziniert von den Elementen der Dekoration zu Webers Freischütz. 200 Baumstämme bedecken die Stufen und bilden den Schauplatz für diese Oper, in der der Wald eine wesentliche Rolle spielt. Eine Waldlichtung, ein Forsthaus und die gefürchtete Wolfsschlucht tief im Wald bilden die Schauplätze einer Handlung, die laut Textbuch in „Böhmen kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg“ verortet ist. Allerdings hatten der Textdichter Johann Friedrich Kind und der Komponist Carl Maria von Weber sicherlich eher die Freiheitskriege von 1813–15 vor Augen, als sie die dann 1821 in Berlin uraufgeführte Oper konzipierten.

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Im Bühnenbild der DomStufen-Inszenierung ist denn auch der vordere Bereich der Szene der Raum, der an einen gerade vergangenen Krieg gemahnt. Kanonen, Fahrzeugteile aber auch Totenschädel und Tierkadaver bilden den Schauplatz für die satanische Zeremonie des Kugelgießens in der Wolfsschlucht.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der Domplatz als Ort kriegerischer Auseinandersetzungen nicht allein der Phantasie eines Bühnenbildners entsprungen ist. Der Dreißigjährige Krieg ging noch verhältnismäßig glimpflich an Erfurt vorbei. Zwar wurde die Stadt von schwedischen Truppen besetzt, König Gustav Adolf nahm am Domplatz in der „Hohen Lilie“ Quartier, und die Stadt musste ihre Unversehrtheit mit hohen Geldsummen erkaufen. Anders erging es der Stadt während der Napoleonischen Zeit:

Die „Franzosenzeit“ in Erfurt begann 1806 mit der kampflosen Besetzung und führte 1813 zu heftigen Kämpfen zwischen den nach der Leipziger Völkerschlacht zurückweichenden Franzosen und den vorrückenden Preußen. Der Domplatz wurde zum Ziel von Artilleriefeuer der Festung Petersberg, durch das schließlich ein Großteil der Bebauung zerstört wurde. Nach einem zwischenzeitlichen Waffenstillstand trennte eine hölzerne Barriere quer über den Platz den französischen vom preußischen Sektor der Stadt, wie in Frank Palmowskis „Die Belagerung von Erfurt 1813/14“ eindrucksvoll nachzulesen ist. Letztlich mussten sich die Franzosen geschlagen geben und zogen unter freiem Geleit ab. Die zerstörten Häuser auf dem Domplatz wurden nicht wiederaufgebaut und erst dadurch erhielt der Platz seine heute so eindrucksvollen Dimensionen.

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Eingestellt von

Arne Langer

Der Freischütz

Premiere ist am 9. Juli 2015 auf den Domstufen zu Erfurt.

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