Das Märchen von der Hospitantin des Zaren

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Das Märchen vom Zaren Saltan / Das gesamte Ensemble / Foto: Lutz Edelhoff

Am 5. Oktober 2019 fand im Großen Haus des Theaters Erfurt die Premiere der Oper Das Märchen vom Zaren Saltan statt. In den sechs Wochen zuvor wurde fleißig geprobt und ich konnte als Hospitantin Einblicke in die Arbeit der Regieassistentin und des Dramaturgen gewinnen.

Lea Niehaus

Regisseur Alexei Stepanyuk und Bühnenbildnerin Elena Orlova – beide aus Russland stammend – verliehen der Inszenierung das nötige russische Flair. Die Verständigung funktionierte grundsätzlich mit einer Dolmetscherin aber auch Hände und Füße kamen zum Einsatz und ein kleines bisschen Englisch. Kommunikation funktioniert oft auch ohne Sprache, was ich sehr spannend fand.

Der Regisseur hatte ein sehr detailliertes Bild seiner Inszenierung im Kopf. Über die Blickrichtung und die Mimik bis hin zur kleinsten Bewegung sind seine Rollen komplett durchinszeniert. Das war eine besondere Herausforderung für das ganze Ensemble und den Chor. Und auch die Führung des Regiebuches, in dem alle Wege und Handlungen festgehalten werden müssen, wurde so zu einem Meisterwerk der Organisationskunst. Wie zum Beispiel notiert man eine Szene, in der sieben Solisten und der komplette Herrenchor mit den Armen fuchtelnd auf der gesamten Fläche der Bühne wild durcheinanderrennen? Besser gefragt: wie notiert man sie, sodass Unbeteiligte sie nachvollziehen können? Ein paar Skizzen wurden so zu etwas, was man durchaus als moderne Kunst bezeichnen könnte und sorgten für einige Erheiterung.

Das Märchen vom Zaren Saltan / Regisseur Alexei Stepanyuk probt mit dem Opernchor / Foto: Katrin Bothe
Regisseur Alexei Stepanyuk probt mit dem Opernchor / Foto: Katrin Bothe

Was auf der Probebühne mit improvisierter Deko und ohne Kostüm oft recht chaotisch aussah, entfaltete sich in der Endprobenphase auf der großen Bühne. Hier wurde deutlich, dass der Regisseur trotz seiner fast schon übertriebenen Liebe zum Detail einen sehr konzentrierten Blick auf das große Ganze behalten hat. Eine Kombination aus märchenhaftem Bühnenbild und filigraner Beleuchtung lies bis dahin ironische Szenen zauberhaft erscheinen.

Das Bühnenbild von Elena Orlova sieht aus, als würde ein altes Märchenbuch mit 3D-Illustrationen aufgeschlagen. Während der technischen Proben wurde mit sehr viel Liebe zum Detail gearbeitet. Scheinbare Kleinigkeiten wurden lange diskutiert und probiert. Wie schnell soll zum Beispiel das Mondboot von Prinzessin Schwanhilde fahren? Alle waren sich in folgendem Punkt einig: Ein Mondboot ist kein Speed-Boot. Aber zu langsam sollte es auch nicht sein, denn dann ist Schwanhilde nicht rechtzeitig für ihren Gesangseinsatz auf der Bühne. Etliche Male wurde also das Mondboot über die Bühne und wieder zurück geschoben, bis die perfekte Geschwindigkeit ermittelt war. Da bei dieser Probe unsere Schwanhilde nicht da war, hatte ich meinen großen Auftritt als „Mondbootstatistin“. Das war tatsächlich weniger romantisch als gedacht, denn das Bühnenbild sieht von hinten weit weniger märchenhaft aus als aus der Sicht des Publikums. Außerdem kann es auf so einem Mondboot auch ganz schön wackelig werden.

Das Märchen vom Zaren Saltan / Prinz Gwidon und Prinzessin Schwanhilde / Foto: Lutz Edelhoff
Prinz Gwidon und Prinzessin Schwanhilde auf ihrem Mondboot / Foto: Lutz Edelhoff

Einige Male sprang ich in den Proben auch für andere abwesende Solist/innen ein und markierte diese für den Rest des Ensembles. Häufig ersetzte ich die Kinderstatisten, die natürlich vormittags in der Schule waren und nicht zu den Proben kommen konnten. Das war gar nicht so einfach. Eine Szene, die man zwar schon etliche Male von vorne gesehen hat, sieht völlig anders aus, wenn man plötzlich mittendrin steht. Den kleinen Prinzen Gwidon zu markieren bedeutete außerdem, morgens um 10 Uhr schon energetisch über die Bühne zu springen… Schwierig…

Auch wenn dieser Satz wie eine Floskel klingt, ist er wahr: in den sechs Wochen meiner Hospitanz habe ich unglaublich viel gelernt! Es ist spannend zu sehen, wie viele Menschen eng zusammenarbeiten müssen, um eine Opernproduktion auf die Beine zu stellen. Bevor mich nun der Uni-Alltag wieder einholt, wünsche ich noch allen Beteiligten TOI TOI TOI für alle weiteren Vorstellungen und danke dafür, dass ich ein Teil dieses tollen Teams sein durfte!

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Lea Niehaus

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