Das echte Salzkammergut

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Wie kommt eigentlich ein Bühnenbildner zu seinen Ideen? Für die turbulente, jazzige Revue-Operette Im weißen Rössl haben der Regisseur, unser Generalintendant Guy Montavon, und Hartmut Schörghofer, der Bühnenbildner, sich einen besonderen szenischen Rahmen ausgedacht, innerhalb dessen es einige klischee-hafte Kulissen zu sehen geben wird.

Wo die Operette spielt, wird im Text zweier ohrwurm-verdächtiger Melodien der Operette unmissverständlich klar gemacht: im österreichischen Salzkammergut, im Hotel “Weißes Rössl” am Wolfgangsee. Hartmut Schörghofer, der tatsächlich im Salzkammergut lebt, hat sich auf der Suche nach Inspiration in seiner Heimat umgesehen und  reale Orte als Vorbilder für seine Entwürfe genutzt.

Das tatsächlich existierende Hotel “Weißes Rössl” am Wolfgangsee konnte nicht in Gänze als Vorlage für die Kulissen des Wirtshauses im Stück dienen, denn in den Dialogen ist mehrfach die Rede davon, dass es im “Rössl” nur ein Zimmer mit Balkon gebe. Das reale Hotel besitzt aber mehrere Balkone. Da sich die Protagonisten in einer Szene der Operette darum streiten, wer in diesem einen Balkonzimmer wohnen darf, musste also eine Wirtshaus-Kulisse mit nur einem Balkon entstehen. Hartmut Schörghofer suchte folglich nach anderen Vorbildern, entdeckte bei einer Wanderung im Salzkammergut ein sehr traditionelles Landhaus (siehe rechts), fotografierte es und verwendete das Foto dann als Vorlage für seine Entwurfszeichnung. Dabei zeichnete er statt des unteren, zweiten Balkons nun den Eingang zum Wirtshaus als einen großen Bogen und versah diesen mit jener Fresko-ähnlichen Aufschrift “HOTEL WEISSES RÖSSL” mit Blumenmuster, die früher einmal an der Hinterhof-Einfahrt zu dem realen “Weißen Rössl” zu sehen war, wie man auf alten Postkarten erkennen kann (siehe oben links).
Schließlich entstand also eine Entwurfszeichnung, die Hartmut Schörghofer an die Kollegen vom Malsaal übergab, um nach diesem Vorbild die 4,5m x 5,96m große Kulisse zu malen. In die bemalte Wand wurde schließlich noch eine Fenster-Klappe eingebaut, damit die Darsteller am Ende auch tatsächlich vom Balkon herausschauen können.

Für eine Szene, die im weiteren Verlauf der Operette einen Ortswechsel verlangt, entwarf Hartmut Schörghofer außerdem einen Prospekt, der zum passenden Zeitpunkt vor die Wirtshaus-Kulisse gehängt werden kann. In jener Szene macht Sigismund Sülzheimer, genannt “der schöne Sigismund” mit der von ihm umschwärmten Klärchen Hinzelmann einen Ausflug ins Familienbad. Direkt am Wolfgangsee lässt sich hierfür heute kein passendes Vorbild finden. Am nahegelegenen Fuschlsee, in dessen Nähe Hartmut Schörghofer wohnt und der nur ca. 7 km vom Wolfgangsee entfernt ist, gibt es jedoch eine alte Badeanstalt, die dem Bühnenbildner gefiel. Da der Zuschauer das Gefühl haben soll, vom Wasser aus auf die Badeanstalt zu schauen, begab sich der Bühnenbildner für die perfekte Perspektive selbst aufs Wasser: Unterwegs mit einem Paddelboot machte er vom Fuschlsee aus ein Foto von der alten Badeanstalt. Dieses Foto zeichnete er nach, modifizierte es ein wenig und malte im Hintergrund noch den Gipfel des Schafbergs hinzu, der sich hinter dem realen Hotel “Weißes Rössl” erhebt.

Wer die fertigen Kulissen in dem von Guy Montavon und Hartmut Schörghofer erdachten Rahmen sehen möchte, kann dies ab 15. Dezember hier im Theater Erfurt tun, wenn sich der Vorhang für die Premiere von Im weißen Rössl öffnet.

 

 

 

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Eingestellt von

Larissa Wieczorek

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