Brabant der Zukunft

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Richard Wagner erkannte im Stoff zu seiner Oper Lohengrin ein allgemein-menschliches Bedürfnis nach Erlösung, das nicht an einen bestimmten kulturellen Kontext oder eine historische Epoche gebunden ist. Tatsächlich lässt sich der Mythos um den Schwanenritter nicht eindeutig einem Zeitalter zuweisen, denn es handelt sich eben um einen Mythos. Wagner selbst wählte für seine Opernhandlung die mittelalterliche Kulisse zur Zeit Heinrichs I. – und zwar aus bewusst politischen Gründen. Heinrichs Dynastie galt nämlich als Gründerfamilie des ersten deutschen Kaiserreichs und wurde zu Wagners Zeit von den Befürwortern des deutschen Einigungsprozesses als Vorbild angesehen.

Auf der Suche nach einem zeitlichen Kontext für die Erfurter Lohengrin-Inszenierung entschieden sich Regisseur Hans-Joachim Frey und Ausstatter Hartmut Schörghofer für ein Brabant der Zukunft, ein märchenhaftes Utopia, in dem frei von konkret-historischen Bezügen die allgemein-menschlichen Konflikte wieder in den Vordergrund treten.

Wie die Zukunft der Menschheit in mehreren hundert Jahren aussehen mag, lässt sich allenfalls erahnen. Das ließ bei der Gestaltung von Bühnenbild und Kostümen viel Raum für Fantasie und Anspielungen auf Klassiker des Science-Fiktion-Genres. Die Schneiderei und die Maskenabteilung des Theaters Erfurt bekamen allerhand zu tun und erarbeiteten futuristische Kleidung, menschenähnliche Traumgestalten und Cyborg-Technologie mit liebevollen Details. Die Werkstätten verliehen dem utopischen Bühnengeschehen eine beeindruckende Kulisse, die mit Videokunst zum Leben erweckt wird.

Doch selbst in dieser fortschrittlichen Welt, in der alles möglich scheint, ist Lohengrin ein Sonderling, der Abgesandte eines entrückten, geheimnisvollen Ortes. Wo liegt die Gralsburg, in einer noch ferneren Zukunft, in einer anderen Dimension, in einer fremden Galaxie? Lassen Sie sich überraschen!

Premiere: 8. Februar 2020, 18 Uhr
Termine & Karten: www.theater-erfurt.de/lohengrin
Fotos: Hanna Lohr, Video: Marc Löhrer

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Eingestellt von

Stephan Drehmann

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