Blog Barock! “Don Giovanni” mit altem Blech

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Heute gehe ich mal raus aus meinem Konzertpädagogen-Büro – ganz nach unten in die tiefste Etage, die es überhaupt gibt in unserem Haus, die U2. Mit mir habe ich natürlich den Blog-Notiz-Block und in mir eine freudiges Vorgefühl auf das Neue, das mich dort unten im Stimmzimmer erwartet. (Stimmzimmer, das sind die Garderoben der Musiker. Dort bewahren sie in Schränken ihre schwarze Dienstkleidung auf und natürlich eine ganze Menge Instrumente).

Ich bin verabredet mit meinem charmanten Trompetenkollegen Dirk Hedrich (Foto) zu einem besonderen Treffen: Wir probieren Barocktrompeten aus! Das ist für mich alte Trompetenhäsin ein ganz neues Feld. In unserer aktuellen Don Giovanni-Produktion werden nämlich die Blechbläserklänge aus Nachbauten historischer Posaunen und Trompeten zu hören sein.

Zuerst muss ich mich an die Form der Barocktrompete gewöhnen. Mit ihren 63 Zentimetern wirkt sie deutlich länger und auch schlanker; und dadurch ist natürlich auch die Handhabung anders als bei meiner modernen Deutschen B-Trompete. Die „Alte“ gefällt mir sofort: sie sieht viel schöner und eleganter aus. Zum Halten des fanfarenähnlichen Instruments dient eine rote, fest zu einem Griff gewickelte dicke Kordel. Am Ende der Trosse baumelt eine dicke Quaste. Und wie spielt man unterschiedliche Töne darauf? Es sind doch gar keine Ventile da. Aber ein paar Löcher entdecke ich. Eins an der Unterseite des Rohres für den Daumen. Und oben gibt’s noch zwei weitere.

Und dann sind da noch die Stimmbögen. Für die Tonarten, in denen die Ouvertüre, die Arien und Ensemble-Nummern komponiert wurden, muss man jeweils einen anderen Stimmbogen verwenden mit – logischerweise – unterschiedlicher  Rohrlänge.
Das heißt: Steht das Stück in D, muss der D-Bogen aufgesteckt werden – mit passendem Mundrohr. Steht das Stück in Es oder C – ebenso. Es ist also so ein bisschen wie, wenn der Heizungsinstallateur neue Leitungen legt – sind das nicht auch Kupferrohre, mit denen die Klempner arbeiten? Ich versuche mein Glück und wage ein paar Töne – natürlich nicht, ohne das Mundstück aufgesteckt zu haben.

Die Barocktrompete ist ein Naturtoninstrument. Das heißt, man spielt fast alle Töne nur mit Hilfe unterschiedlicher Lippenspannung. Hohe Töne mit angespannten Lippen – tiefe Töne mit entspannten Lippen und Mittellage-Töne mit mäßig angespannten Lippen. Die Ohren sind dabei noch stärker auf „Habacht“ getrimmt als sonst. Denn Augen und Gehirn müssen anhand der Noten einschätzen, auf welches Spannungsniveau meine Lippen blitzschnell eingestellt werden müssen.
Dazu kommt noch die Gefahr, dass die Töne bei Laut oder Leise-Stellen wegschnippen, weil sich die Luftschwingung bei diesen Instrumenten historischer Bauart komplett anders verhält.
Aber es macht Spaß!!

Nach dem Erforschen erster Stellen der Mozart-Oper bin ich mit der ur-vertrauten Situation konfrontiert, dass sich blubberndes Kondenswasser in den Rohrwindungen gebildet hat. – Keine Wasserklappe da. Mein Kollege Alexander zeigt mir wie es geht: Der Stimmbogen wird beherzt abgezogen und die Trompete schräg mit der Mundrohröffnung nach unten gehalten. Dazu muss man noch durch das Mundstück pusten, und schon kann das Wasser ablaufen. Na, das ist eine Prozedur! Aber man hat zu tun – es wird nie langweilig. Ganz zu schweigen von der gigantisch genialen Musik Mozarts – gerade Don Giovanni ist schauerhaft schöne Musik. Und wir dürfen dabei sein! Jubel!!

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Eingestellt von

Cornelia Schoenherr

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