Beschwingt ins neue Jahr: Operettenkonzert mit Dagmar Schellenberger

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Dagmar Schellenberger

‘Silvester geh‘n wir immer ins Theater.‘ Diese Antwort geben viele Erfurter auf die Frage wie sie das alte Jahr ausklingen lassen. In diesem Jahr steht am 31.12. ein Operettenkonzert auf dem Programm. Moderiert wird es von Kammersängerin Dagmar Schellenberger, einer der bekanntesten und gefragtesten Opernsängerinnen der Gegenwart. Ob Oper, Operette, Musical, Konzert –  die gebürtige Vogtländerin aus Jössnitz bei Plauen- feierte schon auf vielen nationalen und internationalen Bühnen große Erfolge. In Erfurt nimmt sie am Silvesterabend die Besucher mit auf eine Reise durch die Welt der Operette, singt natürlich auch selbst und hat die eine andere Anekdote rund um das jeweilige Werk parat. Ein beschwingter und unterhaltsamer Abend ist also garantiert. Ich habe Dagmar Schellenberger während der Vorbereitungen zum Silvesterkonzert getroffen und mit ihr über dies und das und selbstverständlich über die Operette gesprochen…

Was erwartet die Besucher am Silvesterabend im Theater Erfurt? Sie dürfen sich auf ein außergewöhnliches Konzert freuen! Die wunderschönsten Melodien von Offenbach, Kalman und Sullivan erklingen in ihren Originalsprachen, dazu gesellen sich Zarzuellas in spanisch, Chansons auf  französisch und berühmte italienische Melodien.

Sie bestreiten den Abend gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester, Solisten des Theaters Erfurt und einem Gast vom DNT Weimar. Wer ist dabei? Unter der musikalischen Leitung von Samuel Bächli darf ich Camila Ribero-Souza, Brett Sprague und Kammersänger Máté Sólyom-Nagy begrüßen. Sie werden solistisch und in wunderschönen Ensembles die Bühne zum Beben bringen. Dafür  haben wir die Kostümabteilung und die Requisite des Theaters Erfurt durchstöbert und geniale Outfits für uns gefunden. Es wird also ein Augen –und Ohrenschmaus.

Was macht Ihre persönliche Leidenschaft für die Operette aus? Die sogenannte „leichte und ach so schwere“ Muse hat mich mein ganzes Sängerleben begleitet und immer wieder gefordert.  Die Operette benötigt alles: neben der großen stimmlichen Herausforderung werden der Charme, die Fähigkeit des Dialogsprechens, das Tanzen und die stilistische Sicherheit besonders gebraucht. Zudem stellt man eine sehr direkte Beziehung zum Publikum her, um es auf höchstem Niveau zu unterhalten. Jeder kennt die Wirkung des 3.Akt-Komikers. Lachen befreit und hält gesund!

Sie haben noch in der DDR ihre Gesangskarriere gestartet. Als die Mauer vor 30 Jahren fiel, gab es plötzlich mehr Konkurrenz, aber auch mehr Möglichkeiten. Wie erinnern Sie sich an diese Zeit? Am Abend des Mauerfalls stand ich in der Komischen Oper als Eurydice in Glucks Oper „Orfeus“ mit Jochen Kowalski auf der Bühne. Die Nacht vor und hinter der Mauer werde ich nie vergessen. Diese unbändige Freude und das Erfühlen der errungenen Freiheit! Auch wenn ich das Privileg hatte, bereits vor der Wende im Ensemble und solistisch die Grenzen der DDR zu überwinden war der Mauerfall künstlerisch meine große Chance. Der Pool an guten Sängern war natürlich größer, aber die Möglichkeiten, sich weltweit zu messen haben mich beflügelt. Ich war jung genug und durch die 5 Jahre an der Komische Oper bereit und offen für die Herausforderung. Überall wird mit Wasser gekocht. Leistung und ein gutes Nervenkostüm ebneten mir den Weg und waren sichere Begleiter, auch mal Stolpersteine zu überwinden.

 Jahrelang waren sie dann Teil des Jetsets, sind als Sängerin um die Welt gereist bevor sie 2011 im österreichischen Mörbisch bei Europas größtem Operettenfestival den Intendantenjob angenommen haben. Von der Bühne ins Büro -wie war das für Sie? Der Schritt zur Intendantin war ein Meilenstein auf meinem Weg. Nicht nur Verantwortung für mich selbst, sondern für ein riesen Unternehmen zu tragen und Abend für Abend über 6000 Zuschauer zu begrüßen, waren genau mein Ding. Aber ich halte es mit den Worten der Marschallin aus dem Rosenkavalier: Jedes Ding hat seine Zeit…. Jetzt lebe ich mit meinem Mann, einem echten Wiener, wiedervereint mit meiner Familie in Berlin, denn meine Tochter hat mich zur glücklichen 3 fachen Oma gemacht. Im Herzen bin ich immer bodenständig geblieben und schätze die ehrlichen Werte im Leben.

Seit 40 Jahren stehen Sie nun schon auf der Bühne. Wie sehen Sie diese Zeit im Rückblick? Wenn man meine zarten Versuche als Schülerin in meiner Vogtländischen Heimat mitzählt sind es sogar noch mehr Bühnenjahre. Niemals hätte ich  mir erträumt, als Darstellerin von Hauptrollen einmal an die Mailänder Scala, oder an die Opernhäuser von Paris, Rom, Venedig, Brüssel, Amsterdam, Tokio, Stockholm, Wien oder Buenos Aires engagiert zu werden. Ein Leben über zwei Jahrzehnte im Jetset und dabei den Spagat zwischen Familie und Beruf zu meistern, war nicht immer leicht.

Dagmar Schellenberger
Kammersängerin Dagmar Schelllenberger

Nach wie vor sind sie in Musiktheater-Produktionen zu erleben, widmen sich seit einigen Jahren aber auch verstärkt dem Sängernachwuchs. Was genau tun sie in diesem Bereich? Stimmt. Bereits vor 20 Jahren begann ich neben dem Sängerleben mit dem Unterrichten, war einige Jahre Professorin an der Universität der Künste in Berlin. Jetzt widme ich meine Zeit wieder verstärkt jungen Sängern, helfe ihnen, ihre Stimme technisch zu beherrschen und gebe meine Erfahrung auch in Meisterklassen weiter. Doch die Bühne lässt mich noch nicht los: Zwar ändern sich die Partien, aber z.B. als Mutter in Hänsel und Gretel genieße ich jede Vorstellung aus der zweiten Reihe. Gerade hatten wir eine höchst erfolgreiche Urauffühung einer Kinderoper in Chemnitz, daneben übernehme ichz natürlich Operettenpartien und singe Konzerte. Moderieren macht mir ebenfalls Spaß. Ausgefallene Programme zu gestalten ebenfalls. Ich finde es passend für mich, Bühne und Unterrichten in Einklang zu bringen und bei Allem das Leben nicht zu vergessen.

Die Fragen stellte Alexandra Kehr

Die beiden Operettenkonzerte am 31.12. (15 und 19 Uhr) sind leider schon ausverkauft! Dagmar Schellenberger wird aber auch das Operettenkonzert am 03. Januar 2020 um 20 Uhr moderieren. Und dafür gibt es noch Karten auf www.theater-erfurt.de/operettenkonzert oder telefonisch unter 0361 – 22 33 155

Fotos: privat

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Eingestellt von

Alexandra Kehr