Aufwachen mit Vogelzwitschern und Kissenrascheln – Regisseurin Sandra Leupold inszeniert “Die Zauberflöte”

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Um noch ein bisschen mehr über die Frau zu erfahren, die Mozarts bekannteste Oper derzeit an unserem Haus in Szene setzt, habe ich unter anderem Google bemüht und selbstverständlich ne ganze Menge Treffer angezeigt bekommen. Klar, vieles wusste ich bereits. Vor allem natürlich von Sandra Leupolds zahlreichen preisgekrönten Regiearbeiten und vielen Nominierungen. Neu war mir der Beitrag über ihre Gastprofessur für Frauen und Geschlechterforschung an der Gutenberg-Uni in Mainz (Spannend!) und auch der Profileintrag über Sandra Leupold als Hebamme… Halt! Moment – Hebamme? Tatsächlich handelt sich hier allerdings nur um eine Namensgleichheit, gibt es also tatsächlich eine Sandra Leupold, die als Hebamme unterwegs ist. Und doch passt das schon wieder hervorragend zusammen, ist doch “unsere” Sandra Leupold ebenfalls so etwas wie eine Geburtshelferin für die Bühne, auf der Bühne, auf unserer Bühne hier im Theater Erfurt. Konkret für eine Neuinszenierung der Oper “Die Zauberflöte”. Dafür ist sie seit vielen Wochen mit dem Werk des Komponisten-Genies “im Gespräch”, sei ihre Annährung eine intensive und mit vielen Fragen einhergehende Auseinandersetzung mit Mozarts Musik, aber vor allem auch mit dem Text des Theatermannes Emanuel Schikaneder gewesen.

Die zu Zeiten der Entstehung der “Zauberflöte sich verändernden Welt- und Machtverhältnisse finden sich laut Leupold im Stück wieder und eröffnen eine Perspektive in die Zukunft. Diese gelte es, als Botschaft zu verstehen. Die Erfurter Inszenierung gebe Gelegenheit, sich auf die Suche nach Antworten auf die Utopie von damals zu begeben. Sie habe sich schwer getan, so Leupold, einen Weg in das Stück zu finden, das davon lebe, aus Gegensätzen und Widersprüchen zu bestehen.

Wir freuen uns auf das Ergebnis dieser Auseinandersetzung und ihre Arbeit mit unserem Ensemble! Premiere ist am 30. September.

Zwischen den Proben fand Sandra Leupold kurz Zeit, unsere angefangenen Sätze zu vervollständigen.

Als ich klein war, wollte icheinmal, dass meine Mutter den Wind abstellt. Er hatte ein kleines Flugzeug, das ich gerade geschenkt bekommen hatte, brutal davongeblasen. Es war bitter einzusehen, dass Eltern nicht alles können. Aber gottseidank war eine Angelschnur dran, die ich nicht gesehen hatte. Ich war zwei Jahre alt.

Wenn ich morgens aufwache,… sind die Ohren der erste Sinn, zu dem ich mich freue, wieder in Kontakt zu kommen. Vogelzwitschern (ich schlafe von März bis Oktober draußen), das Rascheln des Kissens – und nach ein paar Sekunden meistens auch schon irgendeine Musik aus dem „inneren“ Ohr.

Theater ist für mich… ein heiliger Ort, weil es so verrückt ist, was nur hier passieren kann. In unseren Berufen versuchen wir ja, den Geist einer Figur in den Körper eines Sängers zu bannen. Für die Dauer einer Vorstellung leiht er dieser Figur, die es nur jetzt und in ihm gibt, sein Leben. Hinterher sind die zwei, drei Stunden Lebenszeit weg. Und man kann nur hoffen, dass der Sänger auch um sein Leben gespielt hat. Sonst hat er ein schlechtes Geschäft gemacht.

Ein Leben ohne Internet… ja, das geht. Wenigstens tageweise. Während einer Probenzeit lese ich nur alle paar Tage Mails. Vor dem Wahnsinn des ständigen Nachrichtenbombardements halte ich mich sowieso fern.

Am liebsten bin ich… nass. Meine Freunde nennen mich Fischli.

Inspiration hole ich mir… hmm, wer weiß schon, wie sowas funktioniert? Allein in der letzten halben Stunde habe ich so viel Staunenswertes um mich herum aufgenommen… Vielleicht ist es ganz einfach nur, mit offenen Sinnen unterwegs zu sein? All die Eindrücke zu verdauen, kann dann beim Schwimmen, in der Sauna, beim Brotbacken, Gemüse Schnippeln oder Plätzchen Ausstechen passieren – also wenn der Kopf mal Pause hat.

An meinen Freunden schätze ich… wenn sie aus völlig anderen Perspektiven auf die Dinge schauen.

Gerade lese ich… zum zweiten Mal die Tagebücher von Luca Landucci – einem Florentiner Gewürzhändler, der von 1450 bis 1516 über buchstäblich alles in seinem Leben schrieb und für mich der faszinierendste Chronist seiner Zeit ist.

Schwach werde ich… wenn unser Katerchen zur Schmuseattacke ansetzt. Und bei hervorragendem Eis!

Sandra Leupold ist Tee-Trinkerin. In die Tasse kommt dann vorwiegend schwarzer Tee, und zwar mehrfach am Tag… Foto: A. Kehr

 

Noch ein bisschen mehr über Sandra Leupold gibt es hier http://www.theater-erfurt.de/Ueber-Uns/Menschen/Sandra-Leupold.html

Foto oben: Lutz Edelhoff

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Eingestellt von

Alexandra Kehr

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