Auf einen Kaffee mit … LEONOR AMARAL

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Leonor Amaral / Michelle Lebruschka

Oder sollten wir lieber „Auf einen Tee mit…“ sagen? Denn Sopranistin Leonor Amaral ist keine Kaffeetrinkerin. Ich habe Leonor Amaral getroffen und mit über Kindheits- und andere Träume gesprochen.

ML: Leonor, wolltest du schon immer Sängerin werden oder gab es auch andere Berufswünsche?
LA: Als kleines Mädchen habe ich gerne gemalt und so kam der Gedanke, Künstlerin zu werden. Doch irgendwann bin ich einfach stehen geblieben und konnte nur noch ein Häuschen, eine Wiese und Bäume malen. Damit stand fest, dass ich wohl doch keine Zukunft als Malerin hätte. Der Wunsch, Sängerin zu werden, kam mit der Zeit. In der Deutschen Schule in Lissabon sang ich im Chor und wir hatten die Chance, an „Jugend Musiziert“ teilzunehmen. Zunächst nur auf der iberischen Halbinsel, aber später auch beim Bundeswettbewerb in Deutschland. Es machte großen Spaß, mit Kindern aus der ganzen Welt zu singen. Außerdem habe ich sehr viel Musical gemacht, habe immer gern und viel getanzt, und bin sogar mal im portugiesischen Fernsehen aufgetreten. In der 12. Klasse bekam ich dann klassischen Gesangsunterricht. Ich wusste demnach nicht schon von Anfang an, dass ich Sängerin werden möchte, es war eine Entwicklung. Mit 18 Jahren fühlte ich mich trotzdem noch nicht bereit, um komplett als Sängerin zu arbeiten, deshalb habe ich nach dem Abitur erst BWL studiert.
So fühlte ich mich zusätzlich abgesichert. Man weiß ja nie, was kommt. Neben dem Studium habe ich mich natürlich weiterhin mit Musik befasst und am Konservatorium in Lissabon gelernt.

ML: Welche Interessen hast du noch außerhalb des Theaters?
LA: Wenn man diesen Beruf hat, ist es nicht möglich, zum Beispiel jeden Mittwochabend einen Tanzoder Fitnesskurs zu besuchen. Man weiß einfach nicht, was einen am nächsten Mittwoch erwartet. Deshalb halte ich mich fit, indem ich zu Hause Sport mache. Wenn möglich, jeden zweiten Tag. Ich schaue dann Tanz-Workouts auf YouTube. Ich gehe auch gern aus, aber auch das ist bei den vielen Proben und Vorstellungen fast unmöglich. Eine Vorliebe von mir ist das Reisen. Mein Ziel ist, mindestens einmal pro Jahr einen neuen Ort zu entdecken, an dem ich mich nicht aus beruflichen Gründen befinde. Aber das ist für eine Emigrantin gar nicht so leicht, weil man dann in der freien Zeit tendenziell eher nach Hause fliegt. Aber es ist mir auch sehr wichtig, Zeit mit den Menschen zu verbringen, die mir viel bedeuten. Lesen gehört auch zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Natürlich existieren Streaming-Dienste in meinem Leben, aber häufig entscheide ich mich bewusst für ein Buch. Wenn ich Bücher toll finde, lese ich sie auch mehrmals. Ich bin auch Fan von Foodsharing. Dabei holen wir Essen von Restaurants, Bäckereien oder Supermärkten zu einer vereinbarten Uhrzeit ab, bevor die es wegschmeißen. Wir verteilen die Sachen dann oder essen sie selbst. Foodsharing ist eine gute Aktion, weil mit Essen sehr verschwenderisch umgegangen wird und große Mengen einfach im Müll landen. Außerdem ist es terminlich nicht gebunden und damit auch mal spontan möglich. Überhaupt versuche ich, das zu nutzen, was da ist und nicht gleich alles neu zu kaufen. Deshalb mag ich auch Second-Hand Mode. Sogar Konzertkleider habe ich in Portugal schon gebraucht gekauft. Ich freue mich, wenn ich etwas dazu beitragen kann, dass die Welt weniger schrecklich wird.

ML: Welche Wünsche hast du für die Zukunft?
LA: Als ich nach Deutschland kam, war mein größter Wunsch, vom Singen leben zu können. Jetzt, da es so ist, wünsche ich mir, dass es so bleibt. In diesem Beruf steht man viel unter Druck, wird immer bewertet und muss kämpfen … aber ich liebe es und jeder Moment auf der Bühne ist wunderschön.

ML: Und privat?
LA: Irgendwann möchte ich auch mein privates Leben weiterentwickeln und eine Familie wünsche ich mir schon. Klar stehen im Moment die Rollen, die Musik und das Singen im Vordergrund, aber in mir gibt es auch diesen Traum von einer eigenen Familie und ich hoffe, dass er irgendwann in Erfüllung geht.

ML: Vielen Dank für das Gespräch!

Gesprächsfotos: Frank Schlebeck | Szenenfotos: Lutz Edelhoff

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Michelle Lebruschka

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