Als Gast zurück in Erfurt – Ilia Papandreou singt “Medea”

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In wenigen Tagen feiern wir die Premiere von Luigi Cherubinis Oper “Medea”. Die Titelrolle singt Ilia Papandreou. Die Sopranistin mit griechischen Wurzeln kennt das Erfurter Theater gut, schließlich gehörte sie einige Jahre zum festen Ensemble unserer Bühne. Seit 2015 arbeitet sie freischaffend. Nun ist Ilia Papandreou für “Medea” zurück in Erfurt und gab mir zwischen den Proben Antworten auf ein paar Fragen:

Wie war das Zurückkommen ans Theater Erfurt?

Es war eine sehr bewegende Rückkehr mit vielen warmen Begrüßungen und Umarmungen.

Du wohnst für die Zeit der Proben bis zur Premiere auch wieder in der Stadt. Wie hat Erfurt dich wieder aufgenommen? Hast du etwas vermisst?

Es war, als ob ich nie weg war, und das Schöne ist ja, dass ich weiß, wo alles ist. Vermisst habe ich öfter schon die „Glashütte“ auf dem Petersberg, denn dort haben sie wirklich die besten Wiener Schnitzel, die ich je gegessen habe. Sehr traurig bin ich, dass das Café Rommel seit kurzem nicht mehr von dem sehr guten Freund und Weltklasse-Koch Thomas Abel betrieben wird. Ich muss also noch ein wenig forschen wie es dort jetzt ist.

Inzwischen hattest du zahlreiche Engagements als freischaffende Opernsängerin. Welche wichtigen Erfahrungen hast du auf dem freien Markt bisher sammeln können?

Es gab schon einige sehr spannende Engagements, ganz besonders für die Rolle der Marta in Weinbergs Auschwitz-Oper „Die Passagierin“ am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen. Es war so bewegend, Zofia Posmysz, die Autorin der Romanvorlage und selbst eine Auschwitz-Überlebende, kennenzulernen und nach der Premiere mit ihr ein bisschen zu reden. Sie ist eine unfassbar starke Frau! Es hat mich damals wirklich zu Tränen gerührt, als sie mir – nachdem wir gemeinsam beim Schlussapplaus auf der Bühne gestanden haben – sagte, dass sie glaubt, nur deshalb überlebt zu haben, damit sie diesen Abend erleben darf. Das war herzzerreißend. In diesem Augenblick und Moment wusste ich einmal mehr, weshalb wegen ich Sängerin bin.  Auch mein Debüt an der Prager Nationaloper als Iolanta, die ich ja hier in Erfurt zum ersten Mal gesungen hatte, war eine sehr aufregende Erfahrung. Und dann bin ich natürlich sehr glücklich und dankbar, dass ich Anfang des Jahres an der Mailänder Scala als Eva in den „Meistersingern von Nürnberg“ mit so großartigen Kollegen wie Michael Volle und Albert Dohmen und einem Dirigenten wie Daniele Gatti drei Wochen lang arbeiten konnte. Ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt und auch etwas ganz „Simples“: Auch die kochen tatsächlich nur mit Wasser!

In unserem aktuellen Theatermagazin PROspekt hast Du schon ausführlich über deine Rolle als „Medea“ hier in Erfurt gesprochen. Das war allerdings noch vor den Proben. Jetzt steckst du mittendrin. Wie schwer, wie leicht ist die Probenarbeit?

Die Probenarbeit ist „leicht“, weil ich mich sehr gut mit Guy Montavon verstehe. Seine Regie hilft mir sehr, die Partie zu gestalten. Mir fällt es noch immer schwer, zu begreifen, dass Medea ab einem bestimmten Zeitpunkt – und auch ab einem bestimmten psychologischen Moment – die Entscheidung trifft, ihre Kinder umzubringen. Ich brauche noch ein bisschen Zeit, das zu „verdauen“ und zu wissen, WIE man das überhaupt machen und danach einfach weiter machen kann! Und ich muss dabei ja auch noch gut singen. Diese Kaltblütigkeit, wie sich diese schreckliche Tat am Ende darstellt, fällt mir sehr schwer. Bei einer Durchlauf-Probe fand ich es psychisch sehr belastend, als wir zu dieser Stelle im 3. Akt kamen. Aber natürlich finde ich gerade deswegen so eine Figur auch höchst interessant. Eben weil Medea diese kaltblütige Seite hat. Sie ist eine Frau, die alles für ihren Mann gemacht hat, und jetzt will er ihr alles nehmen, sie verlassen. Und sie wird verbannt! Sie ist also sehr verletzt und fühlt sich verraten. Das alles ist höchst spannend. Man blendet meistens aus, dass die Rachegeschichten bei den alten Griechen ja in der Regel von Männern vorangetrieben werden – oft aus viel unbedeutenderen Anlässen. Wenn Medea „nur“ Rache an Jason genommen hätte – so wie zum Beispiel ein Odysseus an den Freiern, die seine Penelope bedrängt haben –, dann würde sie vielleicht sogar als antike Heldin gesehen. Aber diese Entscheidung gegen die eigenen Kinder macht diese Figur in jeder Hinsicht so einzigartig, so einzigartig komplex und kompliziert. Daran kann man sich, glaube ich, ein ganzes Sängerleben abarbeiten.

In wenigen Tagen, am 11. November, ist Premiere, und wir haben noch ein paar Karten. Kannst du kurz und knapp sagen, warum es lohnt, sich dieses Oper anzuschauen?

Sie bietet großartige, einmalige Musik, ist hoch spannend, bewegend, rührend und herzzerreißend!! Drama pur!

Probenfotos: Lutz Edelhoff

 

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Eingestellt von

Alexandra Kehr

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