Abendliche Spiele am Modell

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Als Ausstatter unserer letzten Produktion der Spielzeit 16/17 beschäftige mich schon seit einer ganzen Weile mit Roméo et Juliette. Über die Arbeit der vergangenen Wochen und Monate vor Probenbeginn möchte ich hier ein wenig berichten.

Roméo et Juliette ist ein Nachtstück, vom Tempo her ein Roadmovie wenn es denn ein Filmformat  wäre. Wir haben es hier mit einer Oper von Charles Gounod zu tun und die ist eine eine recht genaue Adaption des Shakespearschen Orginals.

Wir, der Regisseur Federico Grazzini und ich, setzen das Stück in eine durchgängig von künstlichen Lichtquellen beleuchtete nächtliche Szenerie (das ist ja nun im Theater immer so, Tageslicht ausgeschlossen). In diesem Falle aber suchen wir nach Lichtquellen, die in den Räumen normalerweise vorhanden sind. Tischlampen, Röntgenbetrachtungsgeräte, Strassenlaternen und so weiter. Sie geben uns das Licht vor, in dem wir die Geschichte erzählen.

Dabei dienen uns Fotos und Film stills (Fotos, die während des  Filmdrehs gemacht werden) als Vorlagen, die wir aus allen erdenklichen Quellen zusammentragen.

Das Ambiente besteht aus typisch heutigen Räumen und Strassenecken, wie wir sie in allen großen Städten finden können. Die strahlend helle glitzernde Discowelt der afterwork parties , das einsame Hinterzimmer des Paters, die sterile Leichenhalle als modernes Mausoleum, der verlassene Parkplatz vor der Stadt, denn hier finden die Dramen unserer Zeit statt.

Noch ist alles im Puppenstubenformat 1:25, jedoch lässt sich hier schon sehr schön über Lichtführung vordenken und planen. Schon erstehen die neblig, nächtlichen Strassenecken vor meinem geistigen Auge, hier treffen die Gangs aufeinander, auf dem verlassenen Parkplatz könnte ein Stelldichein der Liebenden stattfinden…Wer liebt sich heute noch mit der Leiter am Balkon lehnend???

Das ist die interessanteste Phase der Konzeptfindung. Alles kann jetzt  noch mit einem Handstreich im Papierkorb verschwinden und kurz darauf aus einigen Pappschnipseln  neu wieder auferstehen. Meist arbeite ich abends am Modell, wenn es in den Büros ruhig ist und das Telefon schweigt. Wenn der Regisseur zufrieden ist gerinnt das Ganze in Pläne. Bis dahin ist aber noch ein wenig Zeit für das abendliche Spiel mit Figur und Raum.

Nächtliche Impression
Lorenzos Zimmer Modellzustand

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Hank Irwin Kittel

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